Musikapps für Smartphones und Tablets sind in informellen Musikpraktiken weit verbreitet. Welche spezifischen ästhetischen Erfahrungsmöglichkeiten zeigen sich dort, und welche Lernprozesse vollziehen die Musiker*innen mit Apps?
Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt MuBiTec-LEA („Lernprozesse und ästhetische Erfahrungen in der Appmusikpraxis“) am Institut für Musikpädagogik der Universität zu Köln, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Dabei stehen Konzepte von ästhetischer Praxis (Seel 2003), musikalisch-ästhetischer Bildung (Rolle 1999) und informellem Lernen (Green 2002) im Mittelpunkt.
Die laufende Studie begleitet 16 Musikapp-Nutzer*innen über den Zeitraum von einem Jahr hinweg in informellen Kontexten. Die Teilnehmenden sind zwischen 12 und 65 Jahren alt, es sind sowohl professionelle Musiker*innen als auch Anfänger*innen mit diversen musikkulturellen Hintergründen. Die Datenerhebung erfolgt mittels leitfadengestützter Interviews, teilnehmender Beobachtung und Video-Stimulated-Recall-Interviews. Fallauswahl, Erhebung und Auswertung der Daten orientieren sich am Forschungsstil der konstruktivistischen Grounded-Theory-Methodologie (Charmaz 2014).
Im Rahmen der Ringvorlesung sollen vor allem die ästhetischen Erfahrungen und spezifische Formen der Körperlichkeit beim Musikmachen mit Apps angesprochen und ein Einblick in die Forschung gegeben werden.
Christian Rolle ist Professor für Musikpädagogik am gleichnamigen Institut der Universität zu Köln. In den Forschungsprojekten LEA und Future Songwritingbeschäftigt er sich mit digitalen Musiktechnologien im Kontext ästhetischer Bildung.
Linus Eusterbrock ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Musikethnologie der Universität zu Köln und im BMBF-Projekt LEA tätig. Er promoviert über ästhetische Erfahrungen in der Appmusikpraxis.
Matthias Krebs ist Leiter der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin, Wissenschaftler, Diplom-Gesangspädagoge, Opernsänger (Tenor) und Schulmusiker. Ein Forschungsschwerpunkt sind Musizierpädagogische Bildungsangebote mit digitalen Technologien. Mehr: www.forschungsstelle.appmusik.de
Bedingt durch die Corona-Pandemie finden die Vortragsveranstaltungen im Wintersemester 2020/21 online via zoom statt. Die Zugangsdaten erhalten Sie rechtzeitig über den ILIAS-Kurs. Gäste sind herzlich willkommen und erhalten den Link zur Vorlesung nach Anmeldung bei Lisa Steck (lsteck1[at]uni-koeln.de).
18. Januar
16:00 – 17:30 Uhr
Bildcredits: Linus Eusterbrock
Was bedeutet Post-Internet und Post-Digitalität für Künstler_Innen, welche Auswirkungen haben die Phänomene auf die kunsttheoretische und kunstpädagogische Praxis? Konstanze Schütze und Kristin Klein geben einen prägnanten Einblick in die Thematik und damit auch in den Forschungsschwerpunkt Post-Internet Art Education am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln.
Dank der ubiquitär zur Verfügung stehenden digitalen Technologie kann heute potentiell jeder Animationen, Bilder oder Videos sampeln, kopieren, mischen, neu montieren und in Formen des Remix zurück ins World Wide Web geben und mittels derselben kommunizieren. Gleichsam löst sich die schon lange brüchig gewordene Distinktion zwischen Popkultur und bildender Kunst bis zur Ununterscheidbarkeit auf, wenn auch künstlerische Tätigkeit nicht länger vornehmlich in der Produktion neuer Bilder, sondern in der Postproduktion (Bourriaud) von bestehenden Bildern besteht.
Der Vortrag versucht, ein wenig von den gegenwärtigen medienkulturellen Bedingungen der postproduktiven Formen des Remix zu beschreiben. Und er fragt darüber hinaus in kunstpädagogischer Perspektive nach den Potentialen der ästhetischen Strategien und Praktiken des Remix für eine ästhetisch bildende Auseinandersetzung mit der uns umgebenden digitalisierten Welt.
Manuel Zahn, Dr. phil., ist Professor für Ästhetische Bildung an der Universität zu Köln. Seine Arbeitsgebiete sind Erziehungs- und Bildungsphilosophie, Medienbildung, insb. Filmbildung, Kunstpädagogik und Ästhetische Bildung in digitalen und globalen Transformationsdynamiken, Postkoloniale Theorie und Ästhetische Bildung. Zahlreiche Vorträge und Publikationen, zuletzt: Übertrag. Kunst und Pädagogik im Anschluss an Karl-Josef Pazzini (2017), Lehre im Kino. Psychoanalytische und pädagogische Lektüren von Lehrerfilmen (2018), Visuelle Assoziationen. Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft (2018) und Education in the Age of the Screen. Possibilities and Transformations in Technology (2019).
http://kunst.uni-koeln.de/zahn/
Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden, externen Interessierten etc. sind herzlich eingeladen. Bedingt durch die Corona-Pandemie finden die Vortragsveranstaltungen im Wintersemester 2020/21 online via zoom statt.
Zugangsdaten sowie weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im Ilias Kunstpädagogische Positionen (Externe Interessierte melden sich bitte per mail beim Veranstalter: t.meyer@uni-koeln.de).
20. Januar 2021
16:00 Uhr
Bildcredits: Screenshot des Remixprojekts ThruYou – Kutiman mixes Youtube 2009
Im Seminarraum zeigt sich nur ein kleiner Ausschnitt aus den Forschungsaktivitäten, die wesentlich zum Universitätsleben und darüber hinaus beitragen. Wie Themen und Fragen durch wen beforscht werden, die später potenziell in der Gestaltung von Kunstunterricht eine wichtige Rolle spielen, das wollen wir auf einer kleinen Webtour zeigen. Anhand des Projekts Post-Internet Arts Education Research am Institut für Kunst & Kunsttheorie stellen wir einige Beispiele aktueller Kunst und digitaler Kultur vor, präsentieren euch Ressourcen für die eigene Recherche, sprechen über Beteiligungsmöglichkeiten an Forschungsprozessen und beantworten eure Fragen zur Kunstpädagogik als wissenschaftliches Feld.
Eva Klein, Kristin Klein, Torsten Meyer und Manuel Zahn laden ein zu einem Gespräch über das, was sie tun, wenn sie nicht lehren.
Anmeldung und Zoomlink über: immermittwochshybrid@gmail.com
13. Januar 2021
18:30 Uhr
Bildcredits: BB9, “Feet typing”, courtesy Berlin Biennale. Courtesy Tilman Hornig.
Der sogenannte Empfehlungsalgorithmus hat das Ziel die Nutzer*innen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten und damit Einnahmen zu generieren. Dafür „lernt“ der Algorithmus, was die Nutzer*innen sehen und mögen. Laut einer US-amerikanischen Studie folgen ca. 81% der User*innen mindestens gelegentlich den „Empfehlungen“, 15% sogar regelmäßig (Smith, Toor & van Kessel, 2018). Ob es sich dabei um Hate Speech, Verschwörungserzählungen oder Beauty-Tutorials handelt, das ist dem Algorithmus egal. Er „empfiehlt“, was (ökonomisch) sinnvoll erscheint. Die Nutzer*innen sollen sich wohl fühlen und möglichst viele und lange Videos schauen! Das kann insbesondere für jüngeren, unerfahrenere YouTube-Nutzende, die automatisierte „Empfehlungen“ u.U. als soziale Hinweisreize interpretieren und eher bereit sind, subtileren Persuasionsangeboten zu folgen, ein Problem darstellen – ein Problem, welches auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension birgt.
Warum aber werden etwa Inhalte von extremistischen Akteur*innen „empfohlen“, obwohl es einerseits YouTube-Selbstverpflichtungen (z.B. Community-Richtlinien) und juristische Regularien (z.B. NetzDG) gibt, die diese Inhalte bekämpfen? Welche Rolle spielen YouTube-Algorithmen in Radikalisierungsprozessen? Inwiefern sind sie dafür verantwortlich, dass Nutzer*innen in extremistische „Filterblasen“ (gibt es die überhaupt?) und „Kaninchenlöcher“ eintauchen? Und: was kann man dagegen unternehmen? Vor dem Hintergrund medienpsychologischer, kommunikations- und erziehungswissenschaftlicher Forschung möchte ich u.a. diese Fragen in einem interaktiven Vortrag diskutieren. Erarbeiten möchte ich mit den Studierenden insbesondere auch Überlegungen für medienpädagogische Maßnahmen, die sich möglicher Herausforderungen bei der YouTube-Nutzung annehmen.
Dr. Josephine B. Schmitt arbeitet als Referentin für Digitalisierungsforschung am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum. Sie forscht u.a. zu Inhalt, Verbreitung und Wirkung von Hate Speech, extremistischer Propaganda und (politischen) Informations- und Bildungsangeboten im Internet. Mehr Informationen: medienundlernen.wordpress.com
Wo war die Kunst, die sich bemüht, das Neue, die Widerständigkeit und damit auch die kritische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Welt in/durch und über die Werke hinaus zu suchen?
In Anlehnung an Agambens Idee des Zeitgenossenschaftlichen, galt es zu prüfen, welche Widersprüchlichkeiten bzw. Widerstände in der postdigitalen Kunst an der Zeit zum Vorschein kommen.
Die künstlerischen Arbeiten von Hito Steyerl, der !Mediengruppe Bitnik und Simon Denny führen uns in/durch und über die Werke hinaus an die Ränder, das Unbestimmte der Schauplätze und befeuern so die individuelle Resonanz und Entwicklung neuer Denk- und Handlungsräume: eben da, wo sich das Politische der Kunst ereignet.
Vom Leisen und Lauten. Vom Lauschen gegen den Strom. Im Postdigitalen den Schauplatz des Politischen erkunden. Dabei über Pixel stolpern und die digitale Sehschärfe justieren. Auf die Taktung kommt es an. Auch der postdigitale Schauplatz hat eine Pausefunktion, so bringt er die Wahrnehmungsmaschine ins rotieren und greift in synästhetische Ordnungssysteme ein. Welche Gegenwart bildet sich in/durch und über diese postdigitalen Schauplätze ab? Wie lässt sich die Ästhetik der Arbeiten politisch verstehen? Inwiefern ergeben sich Potenziale für einen Kunstunterricht auf der Höhe seiner Zeit?
Antje Winkler hat als Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung Kunst und Geschichte auf Lehramt für Gymnasium an der TU Dresden studiert. Sie lehrt als Dozentin an der Universität der Künste Berlin und arbeitet als Lehrerin an einem Berliner Gymnasium. Künstlerisch arbeitet sie u.a. an Lecture-Performances (Performance Garten 7 »Deborah geht dazwischen«, 2020). Forschungsschwerpunkte sind Politische Ästhetik und Gegenwartskunst, Zeitgenössische Didaktiken, Postdigitale Ästhetik und ihre Potenziale für gegenwartsbezogene Vermittlungsansätze.
Algorithmen werden vielfältige soziale Funktionen zugeschrieben: Vermeintlich entscheiden sie über die Vergabe von Krediten, über Potenziale auf dem Arbeitsmarkt, den schnellsten Weg zum Ziel und die Relevanz von Nachrichten. Zudem werden sie verantwortlich gemacht für die globale Verbreitung von Misinformation und die Verschärfung sozialer Ungleichheiten. Gleichzeitig positionieren viele Unternehmen und manche politische Institutionen weiterhin Algorithmen als adäquate Lösung für soziale Probleme: Facebooks CEO Marc Zuckerberg beantwortete Fragen nach Strategien des Unternehmens zur Bekämpfung von Misinformation, Hate Speech und Datendiebstahl mehr als ein dutzend Mal mit „AI will fix this“ oder „in the future, we will have technologies in place…“.
Und tatsächlich nutzen Plattformen tagtäglich automatisierte Systeme zur Klassifikation von Inhalten, mitunter auch zur direkten Filterung oder Sperrung wie etwa das ContentID auf YouTube. Ob ein solcher “technological fix” allerdings die Widersprüchlichkeiten in der Regulierung und Ordnung von Plattformen (wie auch in anderen Kontexten) auflösen kann, ist mehr als fraglich.
Der Vortrag rekonstruiert und diskutiert diese Fragen aus einer konzeptuellen Perspektive, die techniksziologische und institutionentheoretische Arbeiten kombiniert. Im Ergebnis wird Regulierung „durch“ Algorithmen nicht als technisch-funktionale Entwicklung verstanden, sondern als institutionelle Formation, die technologische Fortschritte (etwa in der Klassifikation von Inhalten) einbettet in diskursive und politische Agenden. Damit wird deutlich, dass wir derzeit eine Institutionalisierung und “Infrastrukturisierung” von algorithmischen Systemen erleben. Damit einher geht die die Gefahr, dass mit der Verlagerung von Entscheidungen über umstrittene Inhalte in Technik und Infrastrukturen inhärent politische Fragen (etwa um die Grenzen der Meinungsfreiheit) der öffentlichen Debatte entzogen und der Entscheidungshoheit von Anbietern überlassen werden. Dieser Prozess ist aber keine technisch-funktionale Notwendigkeit, sondern politisch und gesellschaftlich gestaltbar.
Dr. Christian Katzenbach leitet den Forschungsbereich Internet Policy und Governance und den Programmbereich Digitale Gesellschaft am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft.
hiig.de/katzenbach-christian/
»Don’t tell it to me, GIF it to me!« – @reactions (giphy.com)
Millionenfach geteilt, kollektiv produziert wie konsumiert – als sozial motivierte, memetisch partizipative Ausdrucksformen sind GIF-Animationen zu einem integralen Bestandteilwebbasierter Bildkulturen avanciert und aus dem alltäglichen digitalen Medienhandeln innerhalb einer „Positivkultur der Affekte“ (Reckwitz) nicht mehr wegzudenken. Der Vortrag perspektiviert jene visuelle Kommunikationseinheit und Ausdrucksform auf eine ästhetische Kategorie, die innerhalb zeitgenössischer visueller Kultur nicht weniger virulent ist: cute.
Deren Fusion im medienästhetisch-affektiven Ensemble cute GIF ermöglicht es, ein ‚kleines‘ Medium (Broeckmann) mit einer ‚kleinen‘ ästhetischen Kategorie (Ngai) zusammenzudenken. Immer dort zugegen, wo es im Digitalen sinnliche Leerstellen oder Entfremdungssituationen zugunsten einer affektiven Annäherung zu kompensieren gilt, spielen beide im Umgang mit den Herausforderungen und Zumutungen einer zunehmend digital durchwirkten, krisengeplagten Gegenwart eine entscheidende Rolle. Zunächst maximal gefällig anmutend, bergen sie ein ausgemachtes Potential für Ambivalenzen und sind dazu prädestiniert, einen Verstörungscharakter anzunehmen. In der dialektischen Qualität jener Gemengelage liegt denn auch das kritische Potential jenes Bündnis, dessen produktive Irritationsmomente u.a. anhand der künstlerischen Position Lorna Mills exemplarisch veranschaulicht werden. Die Betrachtung des cute GIF, so die Annahme, ist nicht nur mit Blick auf eine Zeitdiagnose aufschlussreich, sondern bietet ebenso zahlreiche Anknüpfungspunkte für ästhetische Bildung.
Katja Gunkel, Dr. phil., ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt. Im Kontext von Alltags-, Pop- und Internetkulturen lehrt, forscht und publiziert sie zu Fragen zeitgenössischer Ästhetik; zuletzt vor allem zu cute design sowie zur affektiv-ästhetischen Qualität von partizipativen Medienformaten. Aktuelle Veröffentlichung nebst zugehöriger Ausstellung: #cute – Eine Ästhetik des Niedlichen zwischen Natur und Kunst, Frankfurt a.M./New York: Campus 2020; #cute – Inseln der Glückseligkeit? 09.10.20–10.01.21, NRW-Forum Düsseldorf, https://www.nrw-forum.de/ausstellungen/cute/
Bildquellen: Kompilation #cute via giphy.com
2. Dezember
16:00 Uhr
Der sogenannte Empfehlungsalgorithmus hat das Ziel die Nutzer*innen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten und damit Einnahmen zu generieren. Dafür „lernt“ der Algorithmus, was die Nutzer*innen sehen und mögen. Laut einer US-amerikanischen Studie folgen ca. 81% der User*innen mindestens gelegentlich den „Empfehlungen“, 15% sogar regelmäßig (Smith, Toor & van Kessel, 2018). Ob es sich dabei um Hate Speech, Verschwörungserzählungen oder Beauty-Tutorials handelt, das ist dem Algorithmus egal. Er „empfiehlt“, was (ökonomisch) sinnvoll erscheint. Die Nutzer*innen sollen sich wohl fühlen und möglichst viele und lange Videos schauen! Das kann insbesondere für jüngeren, unerfahrenere YouTube-Nutzende, die automatisierte „Empfehlungen“ u.U. als soziale Hinweisreize interpretieren und eher bereit sind, subtileren Persuasionsangeboten zu folgen, ein Problem darstellen – ein Problem, welches auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension birgt.
Warum aber werden etwa Inhalte von extremistischen Akteur*innen „empfohlen“, obwohl es einerseits YouTube-Selbstverpflichtungen (z.B. Community-Richtlinien) und juristische Regularien (z.B. NetzDG) gibt, die diese Inhalte bekämpfen? Welche Rolle spielen YouTube-Algorithmen in Radikalisierungsprozessen? Inwiefern sind sie dafür verantwortlich, dass Nutzer*innen in extremistische „Filterblasen“ (gibt es die überhaupt?) und „Kaninchenlöcher“ eintauchen? Und: was kann man dagegen unternehmen? Vor dem Hintergrund medienpsychologischer, kommunikations- und erziehungswissenschaftlicher Forschung möchte ich u.a. diese Fragen in einem interaktiven Vortrag diskutieren. Erarbeiten möchte ich mit den Studierenden insbesondere auch Überlegungen für medienpädagogische Maßnahmen, die sich möglicher Herausforderungen bei der YouTube-Nutzung annehmen.
Dr. Josephine B. Schmitt arbeitet als Referentin für Digitalisierungsforschung am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum. Sie forscht u.a. zu Inhalt, Verbreitung und Wirkung von Hate Speech, extremistischer Propaganda und (politischen) Informations- und Bildungsangeboten im Internet. Mehr Informationen: https://medienundlernen.wordpress.com
Der Vortrag findet im Rahmen der Winter School Intermedia und der Ringvorlesung Intermedia statt.
Der Vortrag findet in Form einer Videokonferenz über Zoom statt. Gäste sind herzlich willkommen und erhalten den Link zur Zoom-Veranstaltung unter intermedia.uni-koeln.de/winterschool+ Zu Google Kalender hinzufügen+ Exportiere iCal
27. November
18:00 – 19:30 Uhr
Algorithmen werden vielfältige soziale Funktionen zugeschrieben: Vermeintlich entscheiden sie über die Vergabe von Krediten, über Potenziale auf dem Arbeitsmarkt, den schnellsten Weg zum Ziel und die Relevanz von Nachrichten. Zudem werden sie verantwortlich gemacht für die globale Verbreitung von Misinformation und die Verschärfung sozialer Ungleichheiten. Gleichzeitig positionieren viele Unternehmen und manche politische Institutionen weiterhin Algorithmen als adäquate Lösung für soziale Probleme: Facebooks CEO Marc Zuckerberg beantwortete Fragen nach Strategien des Unternehmens zur Bekämpfung von Misinformation, Hate Speech und Datendiebstahl mehr als ein dutzend Mal mit „AI will fix this“ oder „in the future, we will have technologies in place…“.
Und tatsächlich nutzen Plattformen tagtäglich automatisierte Systeme zur Klassifikation von Inhalten, mitunter auch zur direkten Filterung oder Sperrung wie etwa das ContentID auf YouTube. Ob ein solcher “technological fix” allerdings die Widersprüchlichkeiten in der Regulierung und Ordnung von Plattformen (wie auch in anderen Kontexten) auflösen kann, ist mehr als fraglich.
Der Vortrag rekonstruiert und diskutiert diese Fragen aus einer konzeptuellen Perspektive, die techniksziologische und institutionentheoretische Arbeiten kombiniert. Im Ergebnis wird Regulierung „durch“ Algorithmen nicht als technisch-funktionale Entwicklung verstanden, sondern als institutionelle Formation, die technologische Fortschritte (etwa in der Klassifikation von Inhalten) einbettet in diskursive und politische Agenden. Damit wird deutlich, dass wir derzeit eine Institutionalisierung und “Infrastrukturisierung” von algorithmischen Systemen erleben. Damit einher geht die die Gefahr, dass mit der Verlagerung von Entscheidungen über umstrittene Inhalte in Technik und Infrastrukturen inhärent politische Fragen (etwa um die Grenzen der Meinungsfreiheit) der öffentlichen Debatte entzogen und der Entscheidungshoheit von Anbietern überlassen werden. Dieser Prozess ist aber keine technisch-funktionale Notwendigkeit, sondern politisch und gesellschaftlich gestaltbar.
Dr. Christian Katzenbach leitet den Forschungsbereich Internet Policy und Governance und den Programmbereich Digitale Gesellschaft am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft.https://www.hiig.de/katzenbach-christian/
Der Vortrag findet im Rahmen der Winter School Intermedia und der Ringvorlesung Intermedia statt.
Der Vortrag findet in Form einer Videokonferenz über Zoom statt. Gäste sind herzlich willkommen und erhalten den Link zur Zoom-Veranstaltung unter intermedia.uni-koeln.de/winterschool+ Zu Google Kalender hinzufügen+ Exportiere iCal
25. November
18:00 – 19:30 Uhr
Wo war die Kunst, die sich bemüht, das Neue, die Widerständigkeit und damit auch die kritische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Welt in/durch und über die Werke hinaus zu suchen?
In Anlehnung an Agambens Idee des Zeitgenossenschaftlichen, galt es zu prüfen, welche Widersprüchlichkeiten bzw. Widerstände in der postdigitalen Kunst an der Zeit zum Vorschein kommen.
Die künstlerischen Arbeiten von Hito Steyerl, der !Mediengruppe Bitnik und Simon Denny führen uns in/durch und über die Werke hinaus an die Ränder, das Unbestimmte der Schauplätze und befeuern so die individuelle Resonanz und Entwicklung neuer Denk- und Handlungsräume: eben da, wo sich das Politische der Kunst ereignet.
Vom Leisen und Lauten. Vom Lauschen gegen den Strom. Im Postdigitalen den Schauplatz des Politischen erkunden. Dabei über Pixel stolpern und die digitale Sehschärfe justieren. Auf die Taktung kommt es an. Auch der postdigitale Schauplatz hat eine Pausefunktion, so bringt er die Wahrnehmungsmaschine ins rotieren und greift in synästhetische Ordnungssysteme ein. Welche Gegenwart bildet sich in/durch und über diese postdigitalen Schauplätze ab? Wie lässt sich die Ästhetik der Arbeiten politisch verstehen? Inwiefern ergeben sich Potenziale für einen Kunstunterricht auf der Höhe seiner Zeit?
Antje Winkler hat als Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung Kunst und Geschichte auf Lehramt für Gymnasium an der TU Dresden studiert. Sie lehrt als Dozentin an der Universität der Künste Berlin und arbeitet als Lehrerin an einem Berliner Gymnasium. Künstlerisch arbeitet sie u.a. an Lecture-Performances (Performance Garten 7 »Deborah geht dazwischen«, 2020). Forschungsschwerpunkte sind Politische Ästhetik und Gegenwartskunst, Zeitgenössische Didaktiken, Postdigitale Ästhetik und ihre Potenziale für gegenwartsbezogene Vermittlungsansätze.
Bildcredits: Antje Winkler
25. November
16:00 Uhr
The internet began as an alternative to real life: it meant a different way of interaction with humans – and a different way of experiencing the world. Today, computer algorithms promise a faster, more efficient set of tools with which to guide human life. But those tools rely on data – and that data comes with implicit history, imbalances, and bias. What are artificial intelligence algorithms, what is the current state of AI in the modern world, and how much does AI allow for agency amongst those who are subject to its vast (and expanding) decision-making powers. This talk/workshop explores the label of „awful AI“ and investigates why we may be constructing a computer-powered future where the algorithmic agency of huge segments of society has been optimised out. We will explore counter strategies and learn how activists design today (with technology and without) to create a more just world for tomorrow. What approaches are already in place? Which artists inspire us? Which values are important to us?
Dr. Nakeema Stefflbauer ist Digitalisierungsexpertin mit einem Backgound in Forschung, Technologietransformation und sozialem Unternehmertum. Sie verfügt über einen Executive MBA der “disruptiv Quantic School of Management” und hat Abschlüsse der Brown University und der Harvard University. Als Gründerin und Geschäftsführerin der deutschen Non-Profit-Organisation FrauenLoop engagiert sich Dr. Stefflbauer gegen die Marginalisierung von Migrant*innen, Flüchtlingen und berufstätigen Eltern aus der Technologieszene. https://www.nakeema.net/
Nushin Isabelle Yazdani ist eine Designerin für Interaktion und Transformation, Künstlerin und KI-Forscherin. In ihrer Arbeit untersucht sie die Verflechtung von digitalen Technologien und sozialer Gerechtigkeit, künstlicher Intelligenz und Diskriminierung – aus einer intersektionalen feministischen Perspektive. Sie ist Dozentin, Mitglied bei dgtl fmnsm und im Design Justice Network und kuratiert und organisiert Community-Events an der Schnittstelle von Technologie, Kunst und Design. https://nushinyazdani.com/
Der Vortrag findet im Rahmen der Winter School Intermedia und der Ringvorlesung Intermedia statt.
Der Vortrag findet in Form einer Videokonferenz über Zoom statt. Gäste sind herzlich willkommen und erhalten den Link zur Zoom-Veranstaltung unter intermedia.uni-koeln.de/winterschool+ Zu Google Kalender hinzufügen+ Exportiere iCal
24. November
18:00 – 19:30 Uhr