Post-Internet Arts Education Research (PIAER)

Das Projekt Post-Internet Arts Education Research erschließt das aus Sicht der Kulturellen Bildung und Kunstpädagogik interessante und komplexe Feld der Post-Internet Art und kombiniert dabei erstmals kunstwissenschaftliche und kunstpädagogische Theorie und Methoden mit allgemeinpädagogisch-bildungstheoretischer Methodenentwicklung. Die Synergie aus fachpädagogischer und allgemeinpädagogisch-methodologischer Kompetenz trägt dabei zum einen zu einer systematisch fundierten und umfassenden Erschließung der gegenwärtigen und zukünftigen Bedingungen künstlerischer Produktion und Artikulation unter Bedingungen der postdigitalen Kultur. Die entlang fachlicher Expertise zu entwickelnden Kartographien dieser Bedingungsgefüge ermöglicht zum anderen eine entscheidende Weiterentwicklung der bildungstheoretischen Strukturanalyse, die sich im letzten Jahrzehnt insbesondere im Schnittfeld von medial und ästhetisch bezogenen bildungstheoretischen Fragestellungen bewährt hat. Das Projekt erarbeitet theoretische und methodologische Grundlagen, schafft auf dieser Basis bildungswissenschaftlich fundiertes systematisches Wissen über Phänomene postdigitaler Kunst, und leistet schließlich den Transfer sowohl in die kunstpädagogische Praxis anhand entsprechender Modellbildungen, als auch den Transfer in genreübergreifende Aspekte kultureller Bildungsforschung durch Vernetzung mit den Ergebnissen laufender Forschungsprojekte zur Digitalisierung in der kulturellen Bildung, insbesondere im Hinblick auf postdigitale kulturelle Jugendwelten.

Teilprojekt 1 zielt auf die begriffliche und theoretische Fundierung des Forschungsfeldes der Post-Internet Art. Das erste Ziel besteht in der begrifflich-theoretischen Exploration von Post-Internet Art als Kunst unter Bedingungen postdigitaler Kultur, die durch Künstler*inneninterviews und Werkanalysen differenziert und inhaltlich fundiert wird. Das zweite Ziel besteht darin, auf der Basis der von TP 2 erarbeiteten methodologischen Zugänge und empirischen Kategorisierungen das Feld der Post-Internet Art durch theoretisches Sampling in seinen Formen sichtbar zu machen und zu kartographieren. Anschließend geht es darum, die aufgefundenen Werke und Prozesse in ihren gegenwartsdiagnostischen, aber auch anthropologischen, ontologischen, epistemischen und kritischen Gehalten zu verstehen und wiederum in kunstpädagogische Diskurse zu übersetzen. Schließlich wird Teilprojekt 1 die so entstandenen Erkenntnisse auf theoretischer, empirischer, kunst- und gegenwartsdiagnostischer Art in Modelle kunstpädagogischen Praxistransfers überführen.

Teilprojekt 2 erarbeitet im Austausch mit den kartographierenden und kunstpädagogischen Analysen des Teilprojekts 1 einen für die Untersuchung der Phänomene der Post-Internet Art angemessenen methodisch-methodologischen Rahmen, der es möglich macht künstlerisch-ästhetische Praktiken im Kontext postdigitaler Kulturen zu untersuchen. Die Bildungstheoretische Strukturanalyse hat bereits erfolgreich versucht am Beispiel verschiedener Analysen komplexer Autor*innenfilme und vorwiegend künstlerischer Fotografien, die Konvergenz von Kunst, Ästhetik, Medialität und Digitalität in Bezug auf Bildungsprozesse mitzudenken und zu beschreiben. Ausgehend davon und in Verbindung mit der Grounded Theory Method möchte das Teilprojekt 2 den Fokus auf die Untersuchung postdigitaler Ästhetiken richten und die Methode der Bildungstheoretischen Strukturanalyse dahingehend weiterentwickeln. Die Notwendigkeit dafür ergibt sich aus der Beobachtung, dass sich Subjektivität, Handlung und Erfahrung nicht mehr individuiert konzipieren lassen, sondern vielmehr als materiell-hybride Netzwerkgefüge gedacht werden müssen. Angesichts der erheblichen digitalisierungsbedingten Komplexitätssteigerungen gilt es, im Hinblick auf die Methodenentwicklung in der kulturellen Bildung, die bildungstheoretischen Potenziale der Post-Internet Art aus allgemeinpädagogischer Perspektive zu erforschen und zu systematisieren.