Aktuelles

Vortrag von Torsten Meyer am 12.05.2021: Ein neues Sujet für Kunstpädagogik und Ästhetische Bildung

Seit einigen Jahren schwappen grundlegende Ideen neuerer theoretischer Strömungen im Kontext von Actor Network Theory, Spekulativem Realismus, Object Oriented Ontology und Posthumanismus über in die Subjekttheorien und damit auch in die Theorie(n) der Ästhetischen Bildung. Das trifft sich mit der Vermutung, dass die humanistische Konzeption des Subjekts und das damit verbundene Verständnis von Bildung in der Moderne nicht mehr kompatibel sind mit den wesentlich auf kollaborativen und netzwerkförmigen sozio-technischen Prozessen beruhenden Bildungspraktiken, die seit einiger Zeit in den globalen, digitalen Kommunikationsnetzen zu beobachten sind. Veränderte Medialität führt zu veränderter Subjektivität.
Vor diesem Hintergrund soll im Vortrag eine Idee plausibel gemacht werden, die nicht nur die menschlichen Individuen als Subjekte in ihren Selbst- und Weltverhältnissen in den Blick nimmt, sondern auch die Objekte, die „Sachen“ und die „Dinge“, die die Bildungsprozesse im wahrsten Sinn des Wortes be-dingen, beachtet und vor allem auch die Tatsache berücksichtigt, dass die menschlichen Individuen in diesen Bildungsprozessen vor allem im Plural auftauchen.

Torsten Meyer (*1965), Dr. phil., Professor für Kunst und Ihre Didaktik, Schwerpunkt aktuelle Medienkultur an der Universität zu Köln. Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Philosophie und Kunst in Hamburg und Lüneburg. Arbeitsschwerpunkte: Post-Internet Art Education, Next Art Education, Globalisierung & Digitalisation, Schul- und Hochschulentwicklung im Horizont grundsätzlich veränderter Medienkultur. medialogy.de

Bildcredits: Tomás Saraceno „hybrid webs“, „14 billions“

Details

12. Mai
16:00 – 17:30 Uhr
Kunstpädagogische Positionen

Digitaler Rundgang: Understanding Photobooks

WiSe 2020/2021

Dozentin: Olga Holzschuh

Bildcredits: Videostill aus Mariela Sancari: Moisés https://vimeo.com/144684566 

Fotografie kommt in einem Fotobuch zu einer reflektierten Konzentration und Verdichtung, die im Netz abhanden zu sein scheint. Es bietet ausgewählten Fotografien Spiel-und Experimentierraum für verschiedene Bildkompositionen und Assoziationen. Trotzdem, dass die Verbreitung von Fotografien der heutigen Zeit hauptsächlich durch die elektronischen Medien und nicht mehr durch eine materielle Fixierung in Form von Prints / Abzügen stattfindet, genießt das Fotobuch ein Revival. Die Auseinandersetzung mit dem Fotobuch offenbart einen neuen Blick auf das Verhältnis zwischen analoger und digitaler Fotografie, die für den Umgang mit dem Medium unabdingbar ist. Einige Ergebnisse aus dem Seminar sind hier zu sehen.

OHNE TITEL – CHANTAL PREUS

21×21 cm

Ich habe mich für dieses Fotobuch mit dem Thema Oberflächen beschäftigt und kam nicht umhin mich zu fragen, was sind Oberflächen überhaupt? Wo kommen sie vor und was macht sie aus? Für die gesuchten Antworten musste ich in die verschiedenen Gesichter der Oberfläche hineinblicken und feststellen, dass die Beantwortung gar nicht so leicht und vor allem nicht kurz ausfällt. Damit der Rahmen dieses Projekts nicht gesprengt wird, habe ich mich auf unterschiedliche Arten von Körperoberflächen konzentriert und diese mit anderen Oberflächenarten gleichgesetzt.

Link zum ganzen Buch: Photobook_abfotografiert-komprimiert

MEINE NEUE FREUNDIN MAMA – CHARLOTTE FIGULLA

Thema meiner Arbeit ist eine Mutter-Tochter Beziehung. Meine Intention mit diesem Fotobuch, war es eine Beziehung zu beschreiben und darüber hinaus wollte ich den Betrachter einladen, interaktiv mit dem Fotobuch umzugehen.Die blauen Seiten und das Hardcover dienen als Schutz der Fotos und zugleich auch der Geschichte.

2% – EMILY SECK

Das Design des Fotobuches soll Assoziationen zu Identität, Selbstsuche und Transparenz hervorrufen. Der Titel „2%“ ist auf eine mathematische Formel beschränkt. Es gibt insgesamt 2-4% der Menschen auf der Welt, welche meine identitätsgebenden Merkmale teilen. Die Bilder zeigen eine Person mit bestimmten Merkmalen, welche durch die Schwarz-Weiß-Fotografie objektiviert wird. Merkmale, die eine Identität bestimmbar machen, werden durch schwarze oder weiße Balken überdeckt. Die unterschiedliche Anordnung auf den einzelnen Seiten wird durch ein Linienraster begleitet. Dies soll Assoziationen zu Größenverhältnissen, Maße und Fokus hervorrufen. Die Linien sind angelehnt an die Felder des Fingerabdruck-Dokuments, welches zur Bestimmung der Identität genutzt wird. Die Vorstellung einer samtenen Hülle ist verbunden mit dem Gedanken an die Haut des Menschen, die wie eine Hülle das Innere, das Sein, bewahrt. Da die Fotos mich inhaltlich darstellen, ist ein Wechselspiel zwischen Subjektivität und Objektivität beabsichtigt.

31,5 MILLIONEN – FRANZISKA BÖHMER

Mein Künstlerbuch thematisiert die subjektive Zeitwahrnehmung während einer Bahnfahrt. Im Besonderen liegt der Fokus auf belanglosen, nichtssagenden Momenten, welche die Aspekte der Langeweile und des Wartens unterstreichen. Im Kontrast dazu stehen Situationen in denen Menschen aus diesem Zyklus ausbrechen.

Link zum Buch: 3,5 Millionen PDF – Franziska Böhmer

KOMMUNIKATION IN ZEITEN VON CORONA- EINE FAMILIEN WHATSAPP-GRUPPE – JOHANNA CYRKEL

In welchen Kontexten und mit welcher Absicht nutzen wir das Medium Fotografie? Besonders als Kunststudierende haben Fotos oft einen künstlerischen Anspruch. Fotografien, die sich in WhatsApp (etc.) Gruppen finden lassen sind allerdings oft frei von jeglichem ästhetischen Anspruch. Kann man diese trotzdem künstlerisch in Szene setzen? Ein Fotobuch als Untersuchung von Fotografien, die ausschließlich zur Kommunikation in Whatsapp-Gruppen genutzt werden. Besonders im letzten Jahr wurden die Sozialen Medien intensiv genutzt, um im Austausch zu bleiben: Kommunikation in Zeiten von Corona-eine Familien Whatsapp-Gruppe, Johanna Cyrkel 2021.

YOUNG & PRETTY – CLAUDIA PSYK

In meiner Arbeit habe ich als pseudowissenschaftliche Bilduntersuchung Märtyrerdarstellungen gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit zeitgenössischen Fashionfotografien verglichen. In diesem Vergleich fiel mir auf, dass die Heiligendarstellungen Schmerz und Schönheit verbanden und in der Gewalt, die der Körper erfuhr und der Erlösung des Geistes begründet wurden. Die Fotografien imitieren diese Verschränkung von Leid und Schönheit, jedoch ohne durch physische Gewalt oder religiöse Errettung begründet zu werden.

BETWEEN THE BARS – CARLA HAMACHER

Wir sind jeden Tag von so vielen Menschen umgeben und fühlen uns trotzdem oft alleine. Das Fotobuch beschäftigt sich mit dem Unterschied zwischen dem gefühlten Alleinsein und tatsächlichem Alleinsein.

BRUST – LUISA KRÄMER

Das Fotobuch hat mich das ganze Semester über begleitet. Viele FreundInnen schickten mir im ersten Lockdown super viel wunderschönes Fotomaterial zu. Ich habe verschiedene Positionierungen und Bildanordnungen im Verlauf des Seminars ausprobiert und mich letztendlich für die Version entschieden.

Digitaler Rundgang: To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light

WiSe 2020/2021

Dozentin: Olga Holzschuh

Bildcredits: aus der Serie „To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light“ von Broomberg & Chanarin

Die Arbeit „To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light“ der Künstler Adam Broomberg (Südafrika, 1970) und Oliver Chanarin (Großbritannien, 1971) untersucht das Verhältnis von Fotografie und Rassismus. Der Titel „To Photograph the Details of a Dark Horse in Low Light“ bezieht sich auf einen Satz aus einer Werbeanzeige, mit der Kodak in den frühen 1980er Jahren auf ein neues Produkt aufmerksam machte. Die Firma hatte einen Negativfilm auf den Markt gebracht, der es erstmals ermöglichte, dunkle Haut genau wiederzugeben.
Das Seminar hinterfragt die Fotografie als ein machtvolles Instrument der Blickführung (im Kontext ihrer Repräsentationsfunktion) und untersucht die Entwicklungsgeschichte des Mediums und seine Dominanz als eine weiße, normgebende, global wirksame Technik in (post-)kolonialen Gesellschaften.
Die im Seminar entstandenen Arbeiten spiegeln die Beschäftigung sowohl mit dem Fokus der Fotografie wider, als auch die Auseinandersetzung mit medienübergreifenden künstlerischen Positionen und Theorien des postkolonialen, antirassistischen Diskurses. Einige Ergebnisse aus dem Seminar sind hier zu sehen.

KOLONIAL AFRIKA – JULIA WAGNER

Bei dieser Videoarbeit soll der Aneignungsprozess der Kolonialmächte von Afrika dargestellt werden. Der unberührte Kontinent Afrika ist nach der Kolonialisierung in viele Stücke aufgeteilt. Das Zerknüllen des Papiers soll das gewaltvolle und rücksichtlose Vorgehen widerspiegeln.

WURZELWERKE – LENA FROST

Was haben Botanische Gärten mit Kolonialismus zu tun? Inwiefern spiegeln Pflanzen kolonialistische Aneignungsprozesse wider? Und was können wir aus den Geschichten der Pflanzen und der Art wie diese Geschichten erzählt werden über die Mechanismen (post-)kolonialistischer Strukturen schließen? Die Welwitschie – benannt nach ihrem „Entdecker“ Friedrich Welwitsch – stammt ursprünglich aus Namibia und Angola. Dort wird sie n’tumbo („Stumpf“) genannt. Die Herero kennen sie unter dem Namen onyanga, was „Wüstenzwiebel“ bedeutet und auf Afrikaans wird sie aufgrund ihrer erstaunlich langen Lebensdauer von bis zu 2000 Jahren tweeblaarkanniedood genannt, was etwa „Zwei-Blatt-kann-nicht-sterben“ bedeutet.In zahlreichen botanischen Gärten in Deutschland wird sie oft als “hässlichste” oder “merkwürdigste” Pflanze der Welt oder als “monströs” bezeichnet. In diesen Bezeichnungen wird sowohl ein Spannungsfeld von Faszination, Ekel und Exotismus sichtbar als auch die tief verwurzelten kolonialen Perspektiven, die sich in der Gegenwart fortschreiben.Die folgenden Collagen zeigen Kölner Denkmäler und Bauwerke mit kolonialgeschichtlicher Vergangenheit und spielen mit der Überlegung, wie sich eine Pflanze gegen die Mechanismen eben dieses (post-)kolonialistischen „Wurzelwerks“ auflehnt.

Wilhelm II. – Statue an der Hohenzollernbruecke Koeln (2007)

OHNE TITEL – LEONIE JOST

Bei dem Projekt habe ich mich mit der Herstellung von Kaffee und den meist sehr schlechten Arbeitsbedingungen für Arbeiter:innen auseinander gesetzt. Mit einer Fotomonatge wurde versucht, Bilder der Arbeiter:innen und der Arbeitskonditionen im Kaffee wiederspiegeln zu lassen. Die Bilder wurden sehr subtil eingebaut, damit Betrachter:innen genau hinsehen müssen, um das Werk in Gänze zu erfassen – eben so, wie näher auf den Kaffee und seinen Ursprung geschaut werden sollte ;).

CARNIVAL STICKER BOOK – JULIA GOLTERMANN

Die Arbeit Carnival Sticker Book beschäftigt sich mit rassistischen Narrativen im Kölschen Karneval. Diese Narrative materialisieren sich unter anderem in Form von Karnevalsorden. Diese waren ursprünglich eine geringschätzende Parodie von militärischen Benehmen und dem dazugehörigen Pomp. Heute sind sie wieder eine Belohnung für Engagement im Kaneval und somit konträr zur ursprünglichen Idee von Orden im Karneval.

Digitaler Rundgang: Instagram-Filme über glückselige virtuelle Existenzen aus dem Seminar „Be-in! und Be-happy!. Speculation-Lab zur Faszinationsgeschichte digitaler Kulturen“

Die Projekte (PDF) entstanden im Wintersemester 2020/21 im Seminar „Be-in! und Be-happy!. Speculation-Lab zur Faszinationsgeschichte digitaler Kulturen“ von Martina Leeker. Thema des Seminars war die Geschichte digitaler Kulturen seit den 1960er Jahren, in der technische Dinge und Menschen unter anderem in Performances mit Technologie zu den heute so alltäglich gewordenen, angeblich symmetrischen techno-humanen Handlungsensembles gemacht wurden. Diese sind da problematisch, wo sie die menschlichen Agierenden unter ein Regime der technischen Dinge zwingen, was unterdessen freudig angenommen wird, da letztere als Care-Technologie nobilitiert werden. Diese problematische Aufladung lässt sich beispielsweise aus drogen-affirmativen, psychedelischen Techno-Performances der Künstlerkommune USCO, die Teil der amerikanischen Counterculture in den 1960er Jahre waren, herleiten und veranschaulichen. Denn diese Performances sollten das Bewusstsein des Menschen durch ein technoides Be-in erweitern und so die bürgerlich-rationalistische Welt zu einer freieren Gemeinschaft gleichberechtigter Mitglieder führen. Verdeckt wurde in diesen Faszinations-Environments allerdings die Fehleranfälligkeit und Begrenztheit des Technischen, die die vermeintlich unmittelbaren Verbandelungen deutlich und grundlegend in Frage gestellt hätten.
Im Seminar wurde diese Geschichte des techno-humanen Be-in im Hinblick darauf analysiert, ob und wie sie eine Akzeptanz der zum Totalen tendierenden Konnektivität digitaler Kulturen erzeugte und diese weiterhin befördert. Auf dieser Grundlage entstanden die praktischen Projekte, in denen die Imperative zum fröhlichen Be-in so angepriesen werden, dass ihre technokratischen Aspekte reflektiert werden können.

NACH DER IMPFUNG – MUTATIONEN

Ariane Henneberg, Fiona Becker, Annika Schlotmann 

Mutationen werden als Metapher verstanden, tradierte Vorstellungen von Mensch und Identität sowie von Körpern zu befragen und andere Beschreibungen und Selbstverständnisweisen denkbar zu machen und diese zugleich zu reflektieren. Ausgangspunkt für die Mutationen sind fiktive Folgen der Impfungen gegen das Corona-Virus, die zu Beginn des Jahres 2021 noch nicht begonnen hatten.

NACH DER IMPFUNG – MUTATIONEN. SPECIAL SCHMINK-TUTORIAL, FIONA BECKER, 5:57 MIN

Die von der Impfung ausgelösten Transformationen wie kleine Hörner auf der Stirn oder Verdickungen im Gesicht werden zum Anlass für ein zukunftsorientiertes und ökonomisch erfolgversprechendes Schmink-Tutorial einer findigen Influencerin.

NACH DER IMPFUNG – MUTATIONEN. OTHERKINS, ARIANE HENNEBERG, 4:43 MIN

Ästchen und Blätter, die nach der Impfung aus dem Kopf wachsen, sowie die Transformation von rotem in schwarzes Blut werden humorvoll zum Sprungbrett für ein techno-ökologisches Selbstverständnis deklariert, in dem es keine binären Grenzziehungen, sondern nur noch Hybridisierungen und Verwebungen sowie die liebevolle Sorge für die Erde gibt.

NACH DER IMPFUNG – MUTATIONEN. WTF!!!, ANNIKA SCHLOTMANN,  1:46 MIN

Die von der Impfung ausgelösten Mutationen am eigenen Körper werden zur Chance, soziale Kontakte mit Leidensgenossinnen aufzubauen und so endlich ein glückliches und reiches soziales Leben im Virtuellen zu führen.

DIGITAL HIPPIES 2021, JONA ABERNETTY, CHUKRIA AHMAD, SOPHIA LANGE, ANNIKA REMY, 22:12 MIN

Die Hoffnungen der 1960er-Hippies auf Weltverbesserung qua Bewusstseinserweiterung durch Drogenkonsum werden in die heutige Zeit verlegt und münden in einer automatischen Techno-Psychedelik.

KI LIKES YOU, NOA ISABEL BACHERT, NINA ECKERT UND DRENICA PREKAZI, 7:53 MIN

Eine KI versucht auf Instagram mit menschlichen Agierenden in Kontakt zu kommen, was am Unverständnis letzterer für die operativen Logiken ersterer scheitert.

INSTAGRAM-FILME. EINE NEUE MEDIEN-ÄSTHETIK DES FILMS

Die Projekte entstanden aus den technischen und ästhetischen Möglichkeiten der Plattform Instagram. Für deren Dokumentation wurden Navigationen durch die Posts, Bilder und Stories der Accounts auf der Plattform abgefilmt. So entstanden – neben der Präsenz der Projekte online – Filme mit einem eigenen techno-ästhetischen Format. Diese Ästhetik von Instagram-Filmen verändert die kinematografische Dispositiv gründlich und neue Darstellungsmöglichkeiten und Dramaturgien werden möglich, die die tradierte Einstellung von Wahrnehmung und Subjektivierung durch den Kinofilm auf mobile und kurze Formate umstellt.

Typisch für die Instagram-Filme ist etwa das „Hochkant-Format“. Mit diesem wird das kinematografische Dispositiv mit seinen Maßen sowie Darstellungs- und Erzählweisen auf die Medienästhetik des Smartphone umgestellt. Dies scheint mehr als angemessen, wird zugrunde gelegt, dass die Rezeption von Filmen auf mobilen Geräten heutzutage einen hohen Stellenwert hat. Allerdings kommen dessen Potenziale und Wirkungen erst dann zur Geltung, wenn nicht der Kino- oder Fernsehfilm in den Plattform-Filmen nachgeahmt, sondern vielmehr der mit eigenen Möglichkeiten aufwartende „Insta-Film“ erfunden und ausbuchstabiert wird.
So werden etwa durch die Navigation bis dato in Filmen genutzte zeitliche Ordnungen wie „Jetztzeit“, Rückblende oder Vorschau erweitert. Indem nämlich im Abfilmen beispielsweise immer wieder zum Beginn einer Story zurückgekehrt werden muss, um in den Posts eines Accounts weiterzukommen, wiederholt sich das schon Gesehene in umgekehrter Reihenfolge. Es entsteht eine technische Zeit des Virtuellen, die sich nicht mehr an analogen Erfahrungen orientiert, sondern allein aus den technologischen Bedingungen erzeugt wird.
Des Weiteren sind das Kommentieren und Chatten von Interesse, die während der Navigation vorgenommen und abgefilmt werden. Mit ihnen wird erstens deutlich, dass die virtuelle, digital gestützte Partizipation, die derzeit in performativen Experimenten in pandemischen Bedingungen einen hohen Stellenwert hat, nicht um ihrer selbst willen oder zum Zwecke der Demokratisierung der tradierter Institutionen Theater unternommen und massiv gefördert wird. Es geht vielmehr um das Akzeptabel-Machen der Umstellung auf eine virtuelle Liveness, für die neue Methoden und Formen der Authentifizierung gefunden werden müssen. Dabei sind unterlaufende Fehler aller Art von Interesse, da sie zum Nachweis für die zeitgleiche analoge Präsenz im Virtuellen werden. Virtuelle Liveness erhält auf diese Weise einen eigenen Apparat der Bezeugung von Echtheit und stemmt sich als solcher gegen die allseits wirksame Verunsicherung durch Fake News. Sollte Liveness im Theater bis dato zur Destabilisierung und Reorganisation festgefügter symbolischer Ordnungen führen, wird ihre virtuelle Variante so zur Konsolidierung virtueller Existenz, die letztlich immer wieder im Nichts der Datenströme verschwindet. Im Abfilmen von Partizipation entpuppt sich diese zugleich zweitens als Strategie eines techno-ästhetischen Mentalitätstrainings menschlicher Agierender. In den Fokus tritt dabei die Aktivierung der Zuschauenden zu Affirmation und Antizipation durch den Film. Denn sie werden im Verfolgen sich im Tippen entfaltender Kommentare darauf trainiert vor- sowie in der Rezeption der im Schreiben auftauchenden Tippfehler mitzudenken. Es geht also weniger um einen inhaltlichen Austausch, als vielmehr um eine operative Kette von Anschlüssen und die Organisation einer technoiden Wahrnehmung, mit der die Zuschauenden zum operativen Bestandteil der technischen Dinge und Plattformen werden. Werden dann im Verlauf der abgefilmten Navigationen Posts gelöscht, versinkt die Welt des Internet in einen Zustand der immer aktivierbaren Auflösbarkeit des Virtuellen. Gegen diese stellt sich die Dauer-Partizipation, um durch die Masse an Daten die virtuelle Präsenz gleichsam aufrechtzuerhalten. Im Internet gilt es immer „on“ zu sein.

AUSBLICK. INSTAGRAM-FILME UND SPECULATION-LABS FÜR TECHNO-HUMANE ÄSTHETISCHE BILDUNG

Aus den Projekten des Seminars lassen sich zwei Erkenntnisse für eine digitale ästhetische Bildung ablesen. Es geht erstens um den Instagram-Film als vielversprechendes Format von Film und Kino in digitalen Kulturen. Dieser konstituiert sich als techno-humaner Film, dem zugleich eine medienästhetische Reflexion gleichsam schon eigen ist. Zweitens empfehlen sich „Speculation-Labs“ als probate Methoden für Bildung in digitalen Kulturen.

Instagram-Filme haben sich in den Arbeiten aus dem Seminar als eine Methode erwiesen, den Film als Medium, das auch in pädagogischen Bereichen und Studiengängen immer wieder zum Einsatz kommt, ein angemessenes Update zukommen zu lassen. Damit sind die Grundlagen geschaffen, eine Ästhetik und Dramaturgie des Films für digitale Kulturen entwickeln. Diese konstituiert sich aus zwei Aspekten. Es geht zum einen um einen techno-humanen Film, da nunmehr die technischen Dinge das Kinematografische nicht nur bedingen, sondern zudem selbst etwa durch Gesichtsfilter als Agierende in einen Film eingreifen. Es geht mithin in Richtung einer Zukunft des automatischen Films, der sich allerdings ncith zwingend der Menschen entledigt, sondern vielmehr auf deren Kooperation setzt. Dies zeigt sich etwa darin, dass die genutzten Filter im Performen den menschlichen Agierenden flgen. Zum anderen ist dieser Smartphone-Film da immer schon reflexiv, wo er sich im Navigieren in seinen technologischen Bedingungen zeigt. Denn die technischen Umstände und Umständlichkeiten (etwa des Navigierens) werden nicht versteckt oder beim Schnitt entwendet, sondern diese werden vielmehr verstärkt und ausgestellt.

Speculation-Labs, als die die Ästhetik der Instagram-Filme verortet werden könnte, haben sich als probate Erkenntnismethode in den spezifisch technischen und epistemologischen Bedingungen digitaler Kulturen erwiesen. Denn sie erzeugen und testen im praktischen Umgang durch Hyper-Affirmation, mithin mittels Verfremdung, auch im digitalen Be-in noch eine Distanz-im-Drinsein, sodass Reflexion möglich ist. Es geht dabei in den im Seminar erarbeiteten Projekten allerdings weniger um futuristische Utopien dazu, wie man in Zukunft als relationale Existenzen besser, weil gleichberechtigter leben möchte, als vielmehr um das Kappen der historisch situierten Verbandelungen mit Technologie. Dies ist entscheidend, denn erst wenn die Mentalitäten der Faszinationsgeschichte entdeckt und deren Training unterlaufen werden, können andere techno-humane Beziehungsweisen möglich werden. Ob diese im seit den 1960er Jahren bis heute propagierten Be-in liegen, ist dabei mehr als zweifelhaft. Denn wo dieses die Differenz von menschlichen Agierenden und technischen Dingen, Infrastrukturen und Algorithmen in der Illusion von Unmittelbarkeit unterläuft, befördert es zugleich die technokratischen Regime. Speculation-Labs werden in diesem Sinne zu Spekulationen über die Geschichte sowie die diskursive Produktivität von Theorien, Narrativen und Konzepten. Es geht bei der Spekulation mithin um ein diskurskritisches Reflektieren.

REFLEXION (Martina Leeker, April 2021)

Bild-und Videocredits: Ariane Henneberg, Fiona Becker, Annika Schlotmann, Jona Abernetty, Chukria Ahmad, Sophia Lange, Annika Remy, Noa Isabel Bachert, Nina Eckert, Drenica Prekazi

Digitaler Rundgang: Materialität der Fotografie

WiSe 2020/2021

Dozentin: Olga Holzschuh

Bildcredits: Laura Schawelka / aus der Serie der Ausstellung „Unlust Prinzip“ 

Die Konditionen und Praktiken der Fotografie haben sich nicht nur mit der Digitalisierung, sondern vor allem mit der Bildzirkulation im Internet und den neuen Technologien ebenso stark verändert wie dessen Materialität.
Das Seminar beschäftigt sich mit verschiedener Materialität von Fotografie (alt und neu), dessen Eigenschaften, Bedeutungen, Praktiken und verschiedenen materiellen Einschreibungsprozesse mit dem Fokus auf künstlerische Praxis. Einige Ergebnisse aus dem Seminar sind hier zu sehen.

NIEMANDSLAND – ANTONIA BURGGRAEF

Ich habe die Technik der Cyanotypie genutzt, um alte Kriegsfotos meines Großvaters aufzuarbeiten und zu vergrößern. Durch das Invertieren der Farben entsteht eine gespenstische Schattenwelt mit verschwommenen, geisterhaften Gestalten und trostlosen, kalten Landschaften. Sie zeigen eine für uns unfassbare Welt und werfen Fragen der Erinnerung und der Vergangenheitsbewältigung auf. (Der Titel „Niemandsland“bezieht sich insbesondere auf das letzte Bildder Reihe.)

OHNE TITEL – JANA FELDT

Wie entsteht Wissen, wie entsteht Theorie? Wir sind rund um die Uhr den unterschiedlichsten Quellen ausgesetzt, vom Buch, über Werbung, Fernsehen, Radio, bis hin zum Surfen im Internet. Verschiedene Informationen, Theorien und Eindrücke überlappen sich in unseren Gehirnen, brennen sich in unsere Köpfe und werden ständig neu verknüpft, überschrieben und erweitert.

OHNE TITEL – JULIANE VAN LEUCK

Im Seminar „Materialität der Fotografie“ bei Olga Holzschuh haben wir uns mit digitaler Bildmanipulation beschäftigt. Ich habe einige bekannte, alte Kunstwerke so manipuliert, dass sie den Schönheitsidealen des 21. Jahrhunderts entsprechen.

VERZERRUNGEN – KIRA KALTWASSER

Im Rahmen des Seminars habe ich mich mit dem Thema Bildmanipulation und Selbstbild beschäftigt. Hierbei habe ich einen besonderen Fokus und eine damit einhergehende Kritik an der enormen Veränderung der eigentlichen Fotos in Zeiten von Social Media gelegt. Durch meine Videoarbeit soll verdeutlicht werden, dass eine solche Bildmanipulation eine starke Abweichung von dem tatsächlichen Ausgangsbild darstellt und diese Abweichung schwer (auf dem selben Weg) wieder rückgängig zu machen ist.

DIE SUCHE NACH DER WAHRHEIT – LUISA KRÄMER

Ausschnitt der Arbeit:

Link zur ganzen Arbeit: LuisaKrämer_Cyanotypie Abgabe

Vortrag von Natalie S. Loveless am 04.05.2021: Situated Practices in Precarious Times

In this lecture Loveless explores the role art can play in attuning us differently within the convergence of crises that govern this time. Grounded in a return to Haraway’s germinal 1988 essay “Situated Knowledges: the Science Question in Femimism and the Privilege of Partial Perspective,” this talk will examine feminist, ecologial performance art as a modality that prioritizes aesthetic and affective spaces within which we not only reflect on what is so, but imagine and model things otherwise. Highlighting the importance of a multi-sensorial and multi-species understanding of ecological ethics, Loveless argues for the value of artistic practices that denaturalize the relationalities that govern our current extractivist systems of exploitation and power, seeding the critical and speculative imaginations needed to trouble our current ways of living and dying.

Natalie S. Loveless is an artist and academic located at the University of Alberta’s Department of Art and Design (Canada), where she teaches in the History of Art, Design and Visual Culture, directs the Research-Creation and Social Justice CoLABoratory, and co-leads the Faculty’s Signature Area in Research-Creation. Loveless is author of How to Make Art at the End of the World: A Manifesto for Research-Creation (Duke UP 2019), editor of Knowings and Knots: Methodologies and Ecologies in Research-Creation  (University of Alberta Press 2019), and co-editor of Responding to Site: The Performance Work of Marilyn Arsem (Intellect Press 2020). She is currently working on Speculative Energy Futures, a collaborative interdisciplinary curatorial project on energy transition. Loveless has held fellowships and visiting positions in the Centre for Interdisciplinary Studies in Society and Culture (CISSC) at Concordia University in Montreal, the Center for the Humanities at the University of Utrecht, and Western University, London Ontario. In 2020 Loveless was elected to the Royal Society of Canada (College of New Scholars, Artists, and Scientists) for her scholarship at the intersection of research-creation and social and ecological justice.

Der Vortrag findet im Rahmen der Seminarreihe + Symposium „Critical Future(s) – Possible Procedures“ und der Ringvorlesung Intermedia statt.

Bildcredits: Marilyn Arsem, Water Moving. Documentary image from durational performance for the exhibition *Maalstroom* at Arti et Amicitiae (Amsterdam), June 11 – June 23, 2019 (Photo by Jacques Martens).

DETAILS

4. Mai
18:00 – 19:30 Uhr
Ringvorlesung Master Intermedia

Seminarreihe + Symposium „Critical Future(s) – Possible Procedures“

Im Sommersemester 2021 widmet sich die Seminarreihe + Symposium „Critical Future(s) – Possible Procedures“ der Vertiefung des  Semesterthemas. Die versammelten Seminare untersuchen aktuelle Narrative des Zusammenbruchs, thematisieren drängende Fragen des Anthropozäns, befragen spekulative Technologien der Heilung (etwa aus dem Schamanismus oder der Esoterik) und verhandeln Strategien für eine bessere Welt. Die dabei zur Anwendung kommenden Praktiken und Vermittlungsmethoden umfassen unter anderem Performance, Storytelling, kuratorische Praxis und kritische Online Interventionen genauso wie Deep Listening, Visualisierungsübungen und Meditationen. Natalie S. Loveless wird dieses Vorhaben im Rahmen des internationalen Lehrauftrags am Institut für Kunst & Kunsttheorie als Gastdozentin über das Semester hinweg begleiten. Natalie S. Loveless ist Künstlerin und Professorin an der Fakultät für Kunst und Design der University of Alberta und leitet das CoLABoratorium Research-Creation and Social Justice. Entlang der in den Seminaren entstehenden Beiträge und Diskussionen werden im Rahmen eines Online-Symposiums am 25./26.06.2021 experimentelle Formate angeboten, die zur Teilnahme und Diskussion einladen.

Die Seminarreihe umfasst fünf weitere Seminare, die Sie über KLIPS wählen können: Martina Leeker widmet sich in ihrem Seminar “Encountering the posthuman. Training in ambivalence” der Denkfigur des Posthumanen und sondiert die unhintergehbaren Ambivalenzen der entsprechenden Narrative zwischen technophiler Machtfantasie und relationalem Utopismus. In “Curating on a Damaged Planet” beschäftigt sich Nada Schroer mit Diskursen rund um das Anthropozän und untersucht radikale Ansätze von Künstler:innen, Pädagog:innen und Kurator:innen, die auf dringende planetarische Herausforderungen reagieren. Olga Holzschuhs Seminar “performative treatment as a tool” befragt alternative Praxen der Heilung und untersucht deren Potenzial, als Methode zu dienen, um gegenwärtigen sowie zukünftigen Krisen zu begegnen. Aus einer ökologischen Perspektive untersuchen Eloïse Bonneviot & Anne de Boer (The Mycological Twist) in ihrem Seminar “Finding Fictions Interventionen” die Futtersuche als Form der Kartierung von sozialen Räumen und experimentieren dabei mit Methoden des nonlinearen Geschichtenerzählens sowie mit Computer- und Rollenspielen. Die Reihe ist konzipiert und organisiert von Olga Holzschuh, Nada Schroer und Konstanze Schütze. 

STARTIMPULS: Dienstag, den 04. Mai 2021, 18.00–19.30 Uhr

Vortrag Ringvorlesung MA-Intermedia: Natalie S. Loveless. Situated Practices in Precarious Times

ABSCHLUSSIMPULS: Freitag und Samstag, den 25.-26. Juni 2021, 17.00–21.00 Uhr

Symposium Critical Future(s) – Possible Procedures.

Seminarreihe:

Bonneviot Eloise + de Boer Anne: 16013.0003, Finding Fictions
Holzschuh, Olga: 14676.0018, performative treatment as a tool
Leeker, Martina: 16013.0002, Encountering the posthuman. Training in ambivalence
Loveless, Natalie: 16013.0006, Critical Future(s) – Possible Procedures
Schroer, Nada: 16013.0001, Curating on a Damaged Planet. Kuratorische Praxis für das menschengemachte Zeitalter.

Fragen und Vorschläge richtet ihr bitte an: Jun.-Prof., Dr. Konstanze Schütze

Credits zur Abbildung: Bildausschnitt aus Filmstill 0:19 Min,  meltionary.com Loren Britton & Isabel Paehr: Melting (2020)

Vortrag von Suzanne Treister am 15.04.2021: /Hypothetical Futures: From //’HEXEN 2039//‘ to //’Technoshamanic Systems’/

Suzanne Treister is currently based in London having lived in Australia, New York and Berlin. Initially recognized in the 1980s as a painter, she became a pioneer in the digital/new media/web based field from the beginning of the 1990s, making work about emerging technologies, developing fictional worlds and international collaborative organisations. Utilising various media, including video, the internet, interactive technologies, photography, drawing and watercolour, Treister has evolved a large body of work which engages with expansive narratives and unconventional bodies of research. An ongoing focus of her work is the relationship between new technologies, society, alternative belief systems and the potential futures of humanity.
In her talk Treister will focus on three key projects /HEXEN 2039/ (2006), /HEXEN 2.0/ (2009-11) and /Technoshamanic Systems: New Cosmological Models for Survival / (2020-21).

Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe ›Studio, Art and Research‹ und findet via Zoom statt. Bitte melden Sie sich bei Interesse bei mareen.mueller@uni-koeln.de, Sie bekommen dann Zoom Link und Passwort zur Teilnahme zugeschickt.

Details

15. April
16:00 – 17:30 Uhr
Labor für Kunst und Forschung // online

THEORY ESPRESSO mit Torsten Meyer: “Curatorial Turn”

Welche Bedeutung hat der Curatorial Turn für die Kunstpädagogik? Welche Möglichkeiten eröffnen sich dank der Perspektivverschiebung vom Kurator zum Metakünstler auch für das Unterrichtsfach Kunst? Torsten Meyer skizziert seine Idee des Curatorial Turn in der Kunstpädagogik und lädt zum weiteren Diskurs ein.

THEORY ESPRESSO mit Torsten Meyer: “Flipping University“

Flipping University? Klingt akrobatisch und ein bisschen ist es das auch, wie Torsten Meyer in diesem Theory Espresso erklärt. Denn mit dieser Grundidee gestaltet er nicht nur seine Lehre, sondern hat auch in einem kooperativen Projekt zwei Jahre lang das Institut für Kunst und Kunsttheorie ein wenig auf den Kopf gestellt.

THEORY ESPRESSO mit Torsten Meyer: “Studium als transmediales Storytelling”

Studieren heißt seiner etymologischen Bedeutung nach sich eifrig mit etwas befassen, es zu erforschen suchen. Doch von einem Studium wird weitaus mehr erwartet als nur die intensive Beschäftigung mit dem Fach. Es soll befähigen mit dem Erlernten arbeiten zu können, es soll einen zur Fachfrau/zum Fachmann ausbilden, es soll einen vom Laien zum Professionellen erheben. Wird ein Studium mit solchen Erwartungshaltungen aufgeladen, landet man selbst in der Passivität. Aber erfolgreich professionell werden, liegt auch im persönlichen Gestaltungsraum der Studierenden. Erst im aktiven Austausch kann aus Laien Profis werden, meint Torsten Meyer und stellt in diesem Zusammenhang das „Transmediale Storytelling“ vor. Was aus seiner Sicht nicht nur Schlüssel zur Professionalität, sondern auch zur Weiterentwicklung der Kunstdidaktik ist.

Vortrag von Manuel Zahn am 20.01.2021: Remix Art(s) Education

Kunstpädagogische Positionen // 20.01.2021

Dank der ubiquitär zur Verfügung stehenden digitalen Technologie kann heute potentiell jeder Animationen, Bilder oder Videos sampeln, kopieren, mischen, neu montieren und in Formen des Remix zurück ins World Wide Web geben und mittels derselben kommunizieren. Gleichsam löst sich die schon lange brüchig gewordene Distinktion zwischen Popkultur und bildender Kunst bis zur Ununterscheidbarkeit auf, wenn auch künstlerische Tätigkeit nicht länger vornehmlich in der Produktion neuer Bilder, sondern in der Postproduktion (Bourriaud) von bestehenden Bildern besteht.
Der Vortrag versucht, ein wenig von den gegenwärtigen medienkulturellen Bedingungen der postproduktiven Formen des Remix zu beschreiben. Und er fragt darüber hinaus in kunstpädagogischer Perspektive nach den Potentialen der ästhetischen Strategien und Praktiken des Remix für eine ästhetisch bildende Auseinandersetzung mit der uns umgebenden digitalisierten Welt.

MONTHLY lectures ist ein öffentliches Archiv des Instituts für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln, das die regelmäßigen Vorträge am Institut online versammelt. Formatübergreifend werden Symposien, Tagungen, KünstlerInnenpräsentationen, kunstpädagogische Positionen und Vorträge aus den angrenzenden gestalterischen und wissenschaftlichen Disziplinen nach Kategorien und Themen sortiert abgebildet und für ein breites Publikum und individuelle Forschung zugänglich gemacht.

Info

Manuel Zahn, Dr. phil., ist Professor für Ästhetische Bildung an der Universität zu Köln. Seine Arbeitsgebiete sind Erziehungs- und Bildungsphilosophie, Medienbildung, insb. Filmbildung, Kunstpädagogik und Ästhetische Bildung in digitalen und globalen Transformationsdynamiken, Postkoloniale Theorie und Ästhetische Bildung. Zahlreiche Vorträge und Publikationen, zuletzt: Übertrag. Kunst und Pädagogik im Anschluss an Karl-Josef Pazzini (2017), Lehre im Kino. Psychoanalytische und pädagogische Lektüren von Lehrerfilmen (2018), Visuelle Assoziationen. Bildkonstellationen und Denkbewegungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft (2018) und Education in the Age of the Screen. Possibilities and Transformations in Technology (2019).
kunst.uni-koeln.de/zahn/

Credits:
Aufzeichnung und Postproduktion:
MBR – Medienbildungsraum mit Merle Ballermann, Julia Goltermann, Elias Müller und Marlène Tencha
Organisation:
Martin Brand, Eva Hegge, Carolin Jakob und Dshamilja Nebgen
Leitung:
Prof. Dr. Torsten Meyer
Produziert von:
Universität Köln, Institut für Kunst & Kunsttheorie
Imprint
© 2020 kunst.uni-koeln.de/monthly/
Institut für Kunst & Kunsttheorie, Prof. Dr. Torsten Meyer