Vom 7. bis 9.6.2018 fand die Tagung Because Internet. über aktuelle Bedingungen des medienkulturellen Wandels nach dem Internet und Konsequenzen für kunstpädagogische Praxis und kulturelle Medienbildung am Institut für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln statt.
Jedes Foto, jeder Gedanke, jedes Gespräch ist heute informiert durch das Internet. Es ist allgegenwärtiger Teil unserer Realität geworden; es hat sich transformiert in Erwartungen über ständige Erreichbarkeit, macht sich bemerkbar beim Scannen von Momenten auf ihre Social-Media-Tauglichkeit, im täglichen Posten, Scrollen, Streamen, Liken, Sharen, Tweeten. Komplexe Prozesse fortschreitender Digitalisierung artikulieren sich in weltweit vernetzten Communities, in hyperkulturellen und global zirkulierenden Bildwelten, lernenden Algorithmen, Whistle-blowing, Hacktivism, Softwarearchitekturen, Crowdsourcing, Digital Commons, u. a. m. – die Künstlerin Sophia Al Maria bringt es, für uns titelgebend, auf den Punkt: Because Internet.
Die Tagung Because Internet. findet vom 7. bis 9.6.2018 am Institut für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln statt. Den Fokus bilden aktuelle Bedingungen des medienkulturellen Wandels nach dem Internet und Konsequenzen für kunstpädagogische Praxis und kulturelle Medienbildung: Digital Natives der zweiten Generation und Künstler*innen, die sich an eine Zeit vor dem Internet kaum noch erinnern können, leben und arbeiten im ständigen Bewusstsein der durch das Internet hervorgebrachten Veränderungen: Sie verbindet ein Internet State of Mind (Carson Chan), dem zufolge Dichotomien wie digital/analog kaum noch Sinn ergeben. Sie bedienen die Anforderungen des medienkulturell geprägten Alltags und operationalisieren zugleich die heterogenen Realitäten, Formsprachen, Logiken und Parameter vernetzter Kulturen und deklarieren diese zum Ready-Made-Material eines riesigen Hypermedia-Pools.
Für die Kunstpädagogik, die kulturelle Medienbildung und die künstlerische Praxis drängt sich vor diesem Hintergrund die Frage auf, was eigentlich die relevanten Gegenstände künstlerischer und pädagogischer Praxen im Kontext einer postdigitalen Gegenwart in den – sagen wir – nächsten 20 oder 30 Jahren sind und wie und durch wen diese gestaltet werden können. Forschungswerkstätten zu Praxistransfers und Hands-On-Workshops bilden die zentralen Schwerpunkte der Tagung. Anlässlich der Tagung wird darüber hinaus das Workbook Arts Education als work in progress vorgestellt – eine partizipative Plattform, auf der neue Konzepte und innovative Ideen für die Kunstpädagogik und die kulturelle Medienbildung publiziert werden und die Praktiker*innen aktiv zur Mitwirkung und Weiterentwicklung einlädt.
Konzeption: Kristin Klein, Gila Kolb, Torsten Meyer, Konstanze Schütze
Veranstalter*innen: Torsten Meyer, Kristin Klein
Organisation: Hannah Neumann
In Kooperation mit dem Grimme Forschungskolleg und der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung

Für das Sommersemester ist es uns gelungen, den Künstler Artie Vierkant für einen Lehrauftrag am Institut für Kunst und Kunsttheorie zu gewinnen.
Artie Vierkant (*1986, Breinerd, MN) studierte Bildende Kunst an der University of Pennsylvania und schloss sein Studium mit einem MFA an der University of California ab. Er lebt und arbeitet heute in New York. Vierkant macht Kunst, die sich auf die Bedeutung medienübergreifender Repräsentation konzentriert. Dies zeigt sich in seiner Praxis – in der Dokumentation genauso wie im Entstehungsprozess seiner Werke. Auch in seiner theoretischen Arbeit sind Relationen zwischen physischen und digitalen Räumen im Internet-Zeitalter zentral. Beides verknüpft Vierkant in seiner Lehre auf komplexe und höchst spannende Weise.
Einzelausstellungen (Auswahl)
2018 /Perrotin, New York (laufend)
2016 /Profile, New Galerie, Paris
2015 /Westfälischer Kunstverein, Münster Germany
/Feature Description, Centre d’art Galerie Edouard Manet, Gennevilliers France
/Image Objects, Feuer/Mesler, New York
/AN ON MO SA NS, Feuer/Mesler, New York
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2018 /I Was Raised on the Internet, curated by Omar Kholeif, Museum of Contemporary Art, Chicago (in Vorbereitung)
2017 /ARS17, Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki
/ Momenta Biennale de l’image, Montreal, Quebec
/ Lishui Biennial Photography Festival, Lishui, China
Texte (Auswahl)
To Think the World Through Objects, 2015, in A Questionnaire on Materialisms, October Journal 155, Winter 2016 [PDF]
A New Product: On Prototype Exhibition, 2016 [PDF]
Art in the Age of Intelligent Machines, 2015 [PDF]
Weitere Infos: artievierkant.com
Abb.1: Artie Vierkant. Finnish National Gallery, Foto: Pirje Mykkäne.
Abb 2: Artie Vierkant: Image Object Thursday 4 June 2015 12:53PM, 2015, aluminum and vinyl, 49x49x38in.
In der frenetischen Öffentlichkeit des Streaming-Zeitalters wird das Kunstobjekt zum Token und zur Kulisse für Inszenierungen von „Kunst“. Seine Aura überträgt sich auf Institutionen und Galerien, also auf alles, wo sich „Kunst“ ereignet. Das wird an Fallbeispielen wie der Schirn Kunsthalle und der König Galerie beschrieben. Während in der beschleunigten 11 Zirkulation die Verhältnisse von Zeichen und Bedeutung weiter brüchig werden, womit sich neue künstlerische Freiheiten auftun, wächst zugleich der Drang zu Verknüpfung, schneller Identifikation und zum Einschreiben in bestehende Formate nach der Logik der Brand. Was ist künftig die Rolle des Kunstobjekts, wenn Posting und Performance die dominanten Formen sind? Wie kann es auf Höhe der Zirkulation wirken und wie kann es, statt bestehende Rahmen zu füllen, deren Brüchigkeit erkunden?
Kolja Reichert (*1982) ist Kunstredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Vorher arbeitete er als Kunstkritiker und Autor unter anderem für Spike Art Quarterly, frieze d/e, Welt am Sonntag, art und Tagesspiegel.
Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms präsentiert und diskutieret an drei Abenden im NRW-Forum Düsseldorf jeweils eine künstlerische Arbeit zum Thema Big Data. In der ersten Veranstaltung am 12. Oktober 2018 war der Künstler Florian Mehnert zu Gast, der in den letzten Jahren immer wieder in seinen künstlerischen Arbeiten – u.a. Waldprotokolle (2013), Menschentracks (2014), THE BEAUTY OF PRIVACY (2017) und zuletzt FREIHEIT 2.0 (2016-2018) – die Sichtbarmachung und Kritik von Big Data Phänomenen zum Thema gemacht hat. Er diskutierte seine Arbeit zusammen mit Michelle Adolfs (jfc Medienzentrum e.V., Köln) und Jun.-Prof. Dr. Patrick Bettinger (Universität zu Köln). Es moderierte Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut).
Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms wurde von Prof. Manuel Zahn (Universität zu Köln) und Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut) in Kooperation mit dem NRW-Forum, Düsseldorf durchführt. Gefördert wurde die Reihe vom Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln.
Florian Mehnert begreift als Künstler die „Auseinandersetzung mit der vernetzten Welt, der Digitalisierung unseres Lebens und dem Spannungsverhältnis zu unserer Privatsphäre“ als ein „zentrales Thema der gesellschaftlichen Entwicklung“: „FREIHEIT 2.0 ist eine partizipative Kunstinstallation, … eine initiierte künstlerische Form der offenen Diskursplattform, die die Einflüsse und Veränderungen durch die Digitalisierung auf die Gesellschaft hinterfragt und untersucht.“ Mehr Informationen zu den Arbeiten von Florian Mehnert unter: florianmehnert.de
Die zentrale Frage des Ankündigungstextes dieser Tagung nach „relevanten Gegenstände künstlerischer und pädagogischer Praxen im Kontext einer postdigitalen Gegenwart“ lässt sich um die Frage ergänzen, was eigentlich die relevanten Formen pädagogischer Praxen sein werden. Pädagogik ist ein besonderer Zeichen- und Zeigeprozess (Prange): Man zeigt auf Gegenstände, Zusammenhänge, Haltungen, Normen, Werte, Orientierungsmöglichkeiten, man zeigt dabei zugleich auf sich als Zeigenden und erwartet schließlich ein Zurück-Zeigen als Antwort auf die Intervention. Doch: kein Zeichen ohne Medialität, kein Zeigen ohne Körperlichkeit. Waren schon die medien- und materialitätstheoretischen Defizite im erziehungswissenschaftlichen Denken und Forschen wenig hilfreich, so droht angesichts der digitalen Recodierung von Medialitäten und Materialitäten strukturelle Ahnungslosigkeit. Ahnen aber ist Kerngeschäft einer Disziplin, die sich ausschließlich durch Zukünftigkeit legitimiert. Was man aber nicht fixen kann, das soll man hacken. Der Beitrag präsentiert die besten drei bildungstheoretischen Hacks zum Selbermachen, die wirklich funktionieren.
Benjamin Jörissen (*1968), Prof. Dr. phil, studierte Erziehungswissenschaft und Philosophie an der Universität zu Köln, Universität Düsseldorf und der Freien Universität Berlin. Er ist Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Arbeitsschwerpunkte: Ästhetische Bildung in der postdigitalen Kultur, Medienbildung, Forschung zur Kulturellen Bildung.
Inke Arns spricht über zwei aktuelle, von ihr kuratierte Ausstellungen: Die Welt Ohne Uns (HMKV Dortmund, Ljubljana, Rijeka 2016/17) und alien matter (transmediale Festival, HKW Berlin, 2017). „Alien matter“ ist eine vom Menschen gemachte, ihm aber gleichzeitig radikal fremde, potenziell intelligente Materie. Sie ist das Ergebnis einer zunehmenden Naturalisierung technologischer Artefakte. Die von Technologie durchzogene Umwelt führt zu einer neuen Beziehung zwischen Mensch und Maschine: Die bislang als reine Gebrauchsgegenstände definierten technischen Objekte werden zu autonomen Akteuren. Durch ihre Lernfähigkeit und Vernetzung stellen sie die bislang vorherrschende deutliche Trennung zwischen passiven Objekten und aktiven Subjekten infrage. Die 30 ausstellenden Künstler*innen setzten sich in alien matter mit den Verschiebungen innerhalb dieses Machtgefüges auseinander und beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern unsere vermeintlich vertraute Umgebung zu fremder Materie geworden ist. Die Arbeiten gruppieren sich inhaltlich um vier thematische Schwerpunkte: Künstliche Intelligenz, Plastik, Infrastruktur und Internet der Dinge – Subkategorien der im Entstehen begriffenen großen Maschine, die, folgt man Günther Anders, als zukünftig antiquierte bezeichnet werden können.
Inke Arns, Dr. phil., Direktorin des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in Dortmund. Seit 1993 freie Kuratorin und Autorin mit den Schwerpunkten Medienkunst und -theorie, Netzkulturen, Osteuropa. Nach einem Aufenthalt in Paris (1982-1986) Studium der Slawistik, Osteuropastudien, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin und Amsterdam (1988-1996), 2004 Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Paradigmenwechsel der Rezeption der historischen Avantgarde und des Utopie-Begriffs in (medien-) künstlerischen Projekten der 1980er und 1990er Jahre in Ex-Jugoslawien und Russland. Sie kuratiert(e) viele Ausstellungen, zuletzt u.a. am Haus der Kulturen der Welt (HKW, Berlin). Autorin zahlreicher Beiträge zur Medienkunst und Netzkultur und Herausgeberin von Ausstellungskatalogen.
In meinem Forschungsprojekt gehe ich von der Beobachtung aus, dass die post-digitale Kunstproduktion seit dem Web 2.0 und der Kommerzialisierung des Internets sich affirmativ gegenüber ökonomischen Strukturen verhält. Künstler*innen schaffen gegenwärtig Werke, die auf struktureller, kommunikativer und ästhetischer Ebene als Unternehmen oder Marke angelegt sind (bsw. DIS, Timur Si-Qin, Christopher Kulendran Thomas). Die Beurteilung solcher Kunst als rein marktkritisch reicht meiner Meinung nach, zu wenig weit. Eine Analyse der Displays dieser Werke soll aufzeigen, dass diese Positionen explizit in ihrer mimetischen Form ihr Potential entfachen: Sie verhandeln die zukunftsorientierten Lebensbedingungen einer Gesellschaft der Digitalität.
Die in meinem Korpus untersuchten Kunstwerke reproduzieren ganz spezifische Verkaufsdispositive wie beispielsweise den Messestand (Simon Denny, Blockchain Visionaries, 2016), den Concept-Store (Debora Delmar, Upward Mobility, 2015) oder den Onlineshop (Andreas Ervik, SANKE, 2014). Ausgehend von dieser Beobachtung wird eine Typologie dieser zeitgenössischen Displays angestrebt, die sich anhand spezifischer ästhetischer Cues, wie dem Gebrauch bestimmter Materialien, der Lichtsituationen, dem allgemeinen Design des Interieurs resp. des virtuellen Raumes und sprachlichen Kommunikationsmittel eruieren lässt. Ein direkter Vergleich mit Beispielen aus dem Visual Merchandising von Retail Stores soll aufzeigen, wie kommerzielle Strategien des Branding in diesen Kunstwerken zur Anwendung kommen. Theorien des Third Place aus dem Marketing, des Extended Self und der Affordanz aus der Konsumenten- resp. aus der Wahrnehmungspsychologie werden zur analytischen Untersuchung der Displays herangezogen. Das Projekt unternimmt eine erstmalige wissenschaftliche Analyse zeitgenössischer Displays nach der digitalen Revolution und leistet damit einen Beitrag zum Verständnis gegenwärtiger Phänomene zeitgenössischer Kunst, die noch kaum kunsthistorisch untersucht wurden.
Stefanie Marlene Wenger, M. A. (*1987) ist Doktorandin an der Graduiertenschule des Walter Benjamin Kolleg der Universität Bern. In ihrer Forschungsarbeit untersucht sie Displaystrategien zeitgenössischer Kunst im post-digitalen Kontext. Ihre kuratorischen Projekte grenzen unmittelbar an das Forschungsthema an und befassten sich mit medialer Selbstdarstellung (Your Digital Self Hates You, 2016, Stadtgalerie, Bern) künstlicher Intelligenz (IAMAI. Bots and other Humanoids, 2017, Galerie DuflonRacz, Bern) und jüngst dem Öffentlichen Raum in der Digitalität (Re/public. Öffentliche Räume in digitalen Zeiten, 2.5.-7.7.2018, Polit-Forum im Käfigturm, Bern).
Ihr Masterstudium schloss sie 2014 mit einer Arbeit über die Performativität von Kleidung als Material der Gegenwartskunst mit Prädikat ab, nachdem sie als Stipendiatin der Deutschen Studienstiftung ein Jahr an der Freien Universität Berlin studierte. Wertvolle Erfahrung im Bereich der Museums- und Ausstellungspraxis erlangte sie durch ihr Volontariat im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich (2014-2015) und in ihrer Position als Assistentin für die Art Basel Unlimited (2013/2014). Gegenwärtig arbeitet sie als Programmkoordinatorin der Plattform
Artist Artie Vierkant will discuss his practice as an exploration of methods of working within the interstices between material and immaterial objecthood. As the way we both produce and interact with images and objects has evolved in the “post-internet” age, so too has the meaning and possibilities of the art object. The ‘aura’ once ascribed to the original copy has become dispersed and amplified amongst its representations; authenticity lives no longer in the artist’s fabled ‘hand’ but in their intellectual property (or intellectual product); objects themselves, once inert, begin to think. Vierkant will also revisit his 2010 essay, “The Image Object Post-Internet”, considering whether technological developments and world events since its writing have reshaped how we should conceive of the image object.
Artie Vierkant is an artist and writer based in New York. Recent exhibitions include solo presentations at Perrotin (New York, 2018), New Galerie (Paris, 2016), and Westfälischer Kunstverein (Münster, 2015), and group exhibitions including Crash Test, curated by Nicolas Bourriaud, at La Panacée (Montpellier, 2018), Dreamlands, curated by Chrissie Iles, at the Whitney Museum of American Art (New York, 2016), and at the Kiasma Museum of Contemporary Art (Helsinki, 2017). His writing has been published in October Journal.
Heute scheinen Touch Screens und VR-Technologie ein residuales Verlangen nach ‚greifbarer Realität’ zu kompensieren. Die digitale Sphäre, so viel steht fest, ist in erster Linie eine Domäne der Bilder. Andererseits jedoch bringen uns die kybernetischen Strukturen des Internets die Welt der Dinge näher denn je – während die Übergänge zwischen Bild und Objekt, Animation und toter Materie immer gleitender werden. Anhand einer kunstwissenschaftlichen Untersuchung einiger Arbeiten Mark Leckeys (The Universal Addressability of Dumb Things, UniAddDumThs, Made in ‚Eaven, Pearl Vision) macht sich der vorliegende Aufsatz auf die Suche nach dem digitalen Objekt – und regt zum Nachdenken darüber an, inwiefern eine Strategie ‚animistischer Appropriation‘ unsere warenfetischistische Entfremdung emanzipatorisch einzuholen vermag.
Katharina Weinstock ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Kunstwissenschaft & Medienphilosophie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Sie studierte Kunstwissenschaft & Medientheorie, Philosophie und Kuratorische Praxis an der HfG Karlsruhe, sowie Kulturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin und Kunstgeschichte an der University of California Los Angeles. Nach ihrem Master an der HfG Karlsruhe war sie zuerst Stipendiatin und dann wissenschaftliche Mitarbeiterin des DFG-Graduiertenkollegs „Das Reale in der Kultur der Moderne“ der Universität Konstanz. Ihre Lehrtätigkeit setzte sie an der UdK Berlin und der Bauhaus Universität Weimar fort. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit war sie für internationale Galerien, sowie Institutionen wie Google Arts & Culture und den Gropius Bau Berlin tätig. Als freie Autorin publiziert sie kunstkritische und essayistische Texte in Kunstmagazinen und Katalogen. Ihr Dissertationsprojekt widmet sich dem Fundobjekt als einem medial gleitenden Ding, das für die Kunst der Gegenwart produktiv gemacht werden kann. Weitere Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Bildwissenschaft und Thing Theory, New Materialism, Curatorial Studies und Institutionskritik.
Der Vortrag geht von der Frage aus, inwiefern im Prozess der Ausstellungsproduktion das kuratorische Subjekt in der Ausstellung – gemeint ist das Ausstellungsdisplay – erfahrbar wird. Die daraus abgeleitete These ist, dass Kurator*innen kraft Ein-Bringung in das ausgestellte Kunstwerk dasselbe mitverhandeln, es konstituieren, insofern sie es einer Öffentlichkeit verfügbar machen. Das Kuratieren, so die Schlussfolgerung, hat dann das künstlerische Potential, Sicherheiten über Autor*innenschaft außer Kraft zu setzen – das Kunstwerk wird hier zu einem kollektiv produzierten. Der Vortrag nimmt die These nach der Subjektivierung der Kurator*in als sich einbringend auf, um sie explorativ-experimentell auf die Probe zu stellen: Unter welchen Bedingungen wäre ein Programm denkbar, das kuratorische Praktiken algorithmisch stützt? Lassen sich kuratorische Praktiken so systematisieren, dass sie vorhersagbar sind? Inwiefern wird das schöpferische Potential geistiger wie kreativer Arbeit des Subjektes durch Algorithmen und ihre Produzent*innen antizipiert oder unterminiert? Die Analyse richtet sich auf wiederkehrende Abläufe in der kuratorischen Praxis und Parameter, die eine erfolgreiche Ausstellung konstituieren (können). Die Parameter generieren sich aus Expert*innen-Interviews, der Ausstellungskritik sowie Archiven für kuratorische Praktiken. Insbesondere die Frage nach der Existenz solcher Archive und nach deren produktivem Potential ist hier leitmotivisch implementiert. Die Methoden und deren Ergebnisse bilden die Grundlage für die Konzeption eines Programmes, das die kuratorische Arbeit stützt. Mithilfe eines Datensatzes von Ausstellungen, ihren zugrundeliegenden Konzepten sowie ihrer feuilletonistischen Besprechungen sollen sich erfolgsversprechende Ausstellungskonfigurationen analysieren lassen.
Benjamin Egger (M.A.), geb. 1987, ist seit 2017 akademischer Mitarbeiter im BMBF-Projekt “Postdigitale Kunstpraktiken in der Kulturellen Bildung. Ästhetische Begegnungen zwischen Aneignung, Produktion und Vermittlung” an der FH Potsdam. Seinen Master im Kooperationsstudiengang Europäische Medienwissenschaft der Universität Potsdam und FH Potsdam schloss er 2017 mit einer theoretisch-praktischen Arbeit zum Kuratieren als Form eines ästhetischen Denkens ab. Im Bachelor studierte er Theaterwissenschaft und Spanische Philologie an der Freien Universität Berlin und Universidad de Murcia. In seiner explorativ-experimentellen Promotionsarbeit beforscht er Einflüsse algorithmischer Systeme auf kuratorische Praktiken sowie auf die Künste und untersucht Potentiale eines algorithmisch gestützten Kuratierens.
Im Kontext der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung mittels des Internets seit den 1990er Jahren und insbesondere zu Beginn des 21. Jahrhunderts etablierten sich beteiligende Angebote und Strukturen zu einem bestimmenden Paradigma. Durch den Einsatz digitaler, vernetzter Medientechnologien kommt es in der Medienkunst, die sich ebenfalls häufig als partizipatorische versteht, zu einer signifikanten Überschneidung beider Partizipationsdiskurse sowie zu Verschiebungen in den Prozessen der künstlerischen und medialen Produktion und Rezeption. Gegenwärtige künstlerische Manifestationen der unter dem Begriff des „Postdigitalen“ verhandelten Prozesse vermengen und potenzieren sich mit Fragen nach den Konzepten der Teilhabe oder Teilnahme. Dabei verändern sich Diskurse und Praktiken um den Begriff der Partizipation und scheinen eine Neubestimmung zu erfordern. Analysiert werden soll daher, inwiefern analog zu Terminologien wie „Post- Internet“ und „Post-Digitalität“ von einer „post-partizipativen“ Medienkunst gesprochen und wofür (oder wogegen) eine derartige Setzung produktiv gemacht werden kann. Dabei stehen insbesondere auch Fragen nach Machtstrukturen und Handlungsmacht im Fokus; ebenso wie orts- und situationsbezogenen Bedingungen hinsichtlich Prozessen der Verschiebungen von Handlungsräumen im Spannungsfeld zwischen analog-digital, offline-online, reguliert-dereguliert. Anhand aktueller ausgewählter „postdigitaler“, (post-)partizipativer Kunstprojekte soll der Beitrag die Notwendigkeit der Aktualisierung des Begriffs der „Partizipation“ in postdigitalen Kontexten diskutieren. Künstler_innen wie Aram Bartholl, Miranda July, Trevor Paglen, Christoph Wachter & Mathias Jud verwenden mobile Technologien, entwickeln Apps, bedienen sich kollaborativ erstellter Open-Source-Software, bieten Teilnehmenden die Verwendung von Peer-to-Peer-Netzwerke und Sharing- Plattformen an. Dabei verhandeln sie Fragen um Kommunikations- und Kollaborationsprozesse, auch und gerade jenseits institutioneller und digitaler Strukturen, auf der Suche nach „offenen“ vernetzten Räumen für Partizipation im Postdigitalen.
Magdalena Götz (M.A.), seit Oktober 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg Locating Media der Universität Siegen. 2017 / 2014 Projektleiterin Redaktion / Projektmanagerin für das Ars Electronica Festival, Linz. 2015-2017 Wissenschaftliche Volontärin, Kunstmuseum Celle. 2011-2014 MA-Studium »Museum und Ausstellung« mit Schwerpunkt Kunst- und Medienwissenschaft, Universität Oldenburg. 2007-2011 BA-Studium Literatur-Kunst- Medienwissenschaft, Universität Konstanz.
Mein Vortrag ist ein Plädoyer für den Zweifel. Anstatt in ihm ein zu überwindendes Übel zu sehen, auf dem Weg zu Können, Wissen und Weisheit, verstehe ich ihn als Produktivkraft, auf die es sich einzulassen gilt. Für Lehrende kann es sinnvoll sein, sich auf Pfade zu begeben, die ihnen selbst nicht vertraut sind (die Un-Möglichkeit von Vermittlung); Bereiche der ästhetischen Produktion zu erforschen, die sich dem eigenen, kontrollierten Zugriff entziehen (widerspenstiges Material, mediale Störungen); oder Phänomene miteinzubeziehen, welche die Subjektivierung über die ästhetische Produktionen nicht mehr unterstützen (digitale Artefakte wie Memes). Es ist gerade im Zeitalter der Digitalität wichtig, einen Raum zu eröffnen, in dem es möglich ist, sich auszuprobieren, zu experimentieren und dabei auch zu scheitern. Ansonsten bleibt Bildung weiterhin ein starres Festhalten an bestehenden Machtverhältnissen, am hierarchischen Prinzip des Schulmeisters, das es zu überwinden gilt. Der Zweifel als Werkzeug für ein zeitgemäßes Lehren und Lernen weist über das Systems Schule hinaus zu einem Lernen, das bereits ohne Bücher, Lehrer*innen und institutionelle Rahmung innerhalb der Digitalität stattfindet und den aktuellen Anforderungen immerwährender Veränderungen entspricht.
Dr. Jan G. Grünwald arbeitet an der Leibnizschule in Offenbach. Sein Referendariat absolvierte er am Goethe Gymnasium in Frankfurt am Main. Zuvor vertrat er die Professur für Didaktik am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen (2013/14) und war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Goethe Universität Frankfurt (2005-2013). Seine Arbeitsschwerpunkte sind Bildkulturen, Räume, kritische Kunstvermittlung, Gender Studies, geschlechtsspezifische Widerstandsstrategien und Web 2.0. jangruenwald.tumblr.com