Vorträge

Gastvortrag von Fabian Ginsberg am 28.11.2018: Scripted Reality

Abstract

Fabian Ginsberg stellt seinen 2015 erschienenen Essayband „Quallenkopf – Der Tausch von Verwandlung“ vor. Besonderes Augenmerk wird auf das Konzept des Index der Intentionalität gerichtet. Die praktische Seite des Vortrags geht den Bedingungen des ärgerlichen Problems nach, dass entweder die Öffentlichkeit, in die eine Nachricht tritt, von ihr zuvor hergestellt worden, oder der Öffentlichkeit die Nachricht bereits bekannt sein muss. Die theoretische Seite des Vortrags ersetzt die ästhetische Perspektive durch eine epistemologische und begreift Kunst als ein metonymisch mit anderen Bereichen der Wirklichkeitsherstellung verbundenes Feld, das geeignet ist, um von hier aus symbolische Formen metakritisch zu betrachten. Die unserer Vorstellungswelt der sogenannten Wirklichkeit zugrundeliegenden epistemologischen Modelle hinken dem vorhandenen Wissen hinterher. Die Bilder, Modelle oder Formen, die für die alltägliche Erfassung dieser Wirklichkeit benutzt werden, sind nicht nur ungenügend – sie täuschen. Während die Alltagspsychologie ihr Welt- und Menschenbild aus jahrhundertealten Modellen mixt, nutzen avanciertere Modelle des Wirklichen die verschiedenen Erklärungslücken und Kategorienfehler aus, um asymmetrische Tauschverhältnisse zu etablieren. Eine Kritik dieser Bilder kann nicht nur an der Oberfläche des Dargestellten bleiben, sondern muss die Herstellung der Darstellung untersuchen, um dann, im besten Fall, auf die Kritik ganz zu verzichten und neue Darstellungen herzustellen.

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Fabian Ginsberg (1983) studierte Freie Bildende Kunst in Mainz und Düsseldorf. Er veröffentlichte die Bücher „Quallenkopf – Der Tausch von Verwandlung“ (2015) Textem Verlag, „Der Lügenwirt“ (2016) Textem Verlag, „Organisation 1 & 2“ (2018) Kerber Verlag und „Strategien der Aufstandsbekämpfung – Antiimperialistische Kunst in (Baden-)Württemberg“ (2018) Verlag der Stadt Villingen-Schwenningen. Er lebt in Berlin.

Vortrag von Torsten Meyer am 07.11.2018: Mediologische Überlegungen zur Zeitgenossenschaft

Abstract

Zeit-Genossen erleben die Welt gleichzeitig, sie befinden sich in einer raum-zeitlich gemeinsamen Welt, deren Größe – sowohl räumlich wie zeitlich – von der Beschaffenheit der jeweils geschäftsführenden Kommunikations- und Informationsmittel abhängig ist. Sie sozialisieren sich gegenseitig und bilden miteinander und füreinander Umwelt und System. Innerhalb solcher Zeit-Genossenschaften entstehen neue Ideen, neues Wissen, neue Kunst und andere Artefakte menschlicher Einbildungskraft.
Zurzeit wächst auf der Plattform aktueller Medientechnologie ein weltweiter Raum des Austauschs als Medium einer globalen Zeitgenossenschaft. Die von allen geteilte Welt produziert ein großes und wirkmächtiges Jetzt. Hier entsteht die nächste Kunst.
Im Vortrag werden Verknüpfungen von mediologischen, kunst-, medien-, kommunikations- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen mit pädagogischen Fragestellungen hergestellt und Konsequenzen für eine Next Art Education aufgezeigt.

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Torsten Meyer (*1965), Dr. phil., Professor für Kunst und Ihre Didaktik, Schwerpunkt aktuelle Medienkultur an der Universität zu Köln. Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Philosophie und Kunst in Hamburg und Lüneburg. Arbeitsschwerpunkte: Next Art Education, Globalisierung & Digitalisation, Schul- und Hochschulentwicklung im Horizont grundsätzlich veränderter Medienkultur. medialogy.de

Gastvortrag von Michael Seemann am 06.11.2018: Werte vernichten für Anfänger. Introduction to Spill Over Economics

Abstract

Der Vortrag geht von der These aus, dass sich in der Digitalwirtschaft immaterielle kulturelle Produkte mühelos vervielfältigen lassen. Zudem sind sie leicht von anderen nutzbar und ihrer Anwendung unbegrenzt. Erfolgreich im Sinne des immateriellen Kapitalismus ist heute dementsprechend, wer durch Kontrollapparate diese Produkte vorenthält und somit künstlich Knappheit herstellt. Digitale Künstlerinnen wie Cornelia Sollfrank haben das schon vor Jahren verstanden. Mit ihrem Werk „net.art generator“ hat sie bereits 2000 ein Programm veröffentlicht, das Netz-Kunst auf Knopfdruck herstellt. Damit greift sie die Knappheit selbst an und führt den Kapitalismus ad absurdum.

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Michael Seemann studierte Angewandte Kulturwissenschaft in Lüneburg. Seit 2005 ist er mit verschiedenen Projekten im Internet aktiv. Anfang 2010 begann er das Blog CTRL-Verlust zuerst bei der FAZ, seit September auf eigene Faust, in dem er über den Verlust der Kontrolle über die Daten im Internet schreibt. Seine Thesen hat er im Oktober 2014 auch als Buch veröffentlicht: Das Neue Spiel, Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust. Normal bloggt er unter mspr0.de, podcastest unter wir.muessenreden.de und schreibt unregelmäßig für verschiedene Medien. Er unterrichtet verschiedene Seminare an der Universität zu Köln und der Universität der Künste in Berlin. 2016 war er als Sachverständiger zum Thema Plattformregulierung im Bundestag. Er hält Vorträge zu den Themen Whistleblowing, Datenschutz, Urheberrecht, Internetkultur, Plattformen und die Krise der Institutionen in Zeiten des digitalen Kontrollverlusts. michaelseemann.de

Gastvortrag von Cornelia Sollfrank am 6.11.2018: Auf der Suche nach der verlorenen Information – von kreativen Algorithmen und konnektiven Ressourcen

Abstract

In ihrem Vortrag stellt Cornelia Sollfrank Beispiele aus ihrer eigenen künstlerischen Praxis sowie ihrer Forschung im Bereich digitaler Commons vor und diskutiert sie. Der Netzkunstgenerator (net.art generator), ein Computerprogramm, das die Grundfrage nach der schöpferisch-kreativen Fähigkeit von Maschinen schon lange vor der aktuellen Debatte künstlicher Intelligenz stellte und damit nicht nur die Grenzen des Urheberrechst deutlich machte, gibt den Anstoß, digitale Ressourcen nicht nur als Konsumprodukt zu verstehen, sondern als Anlass, neue konnektive Formen zu entwickeln. Die Idee der Commons dient als Inspiration für künstlerische Projekte, die sich keinesfalls als Lösungen, sondern vielmehr als Räume der Ambivalenz verstehen.

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Cornelia Sollfrank (PhD) ist Künstlerin, Forscherin und Lehrende und lebt in Berlin. Wiederkehrende Themen ihrer Arbeit in und über digitale Medien und Netzkulturen sind künstlerische Infrastrukturen, neue Formen der (politischen) Organisierung, Autorschaft und geistiges Eigentum, Gendertheorie und feministische Praxis insbesondere Technofeminismen. Sie war Mitbegründerin der Kollektive frauen·und·technik, -Innen und Old Boys Network und ist zur Zeit als Forscherin im Projekt „Creating Commons“ an der Zürcher Hochschule der Künste tätig. Ihr Buch „Die schönen Kriegerinnen. Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert” ist soeben bei transversal texts in Wien erschienen. artwarez.org

Gastvortrag von Michelle Adolfs am 12.10.2018: Medienkritik 4.0. Mehr Methoden für die Jugendmedienarbeit

Abstract

Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms präsentiert und diskutieret an drei Abenden im NRW-Forum Düsseldorf jeweils eine künstlerische Arbeit zum Thema Big Data. In der ersten Veranstaltung am 12. Oktober 2018 war der Künstler Florian Mehnert zu Gast, der in den letzten Jahren immer wieder in seinen künstlerischen Arbeiten – u.a. Waldprotokolle (2013), Menschentracks (2014), THE BEAUTY OF PRIVACY (2017) und zuletzt FREIHEIT 2.0 (2016-2018) – die Sichtbarmachung und Kritik von Big Data Phänomenen zum Thema gemacht hat. Er diskutierte seine Arbeit zusammen mit Michelle Adolfs (jfc Medienzentrum e.V., Köln) und Jun.-Prof. Dr. Patrick Bettinger (Universität zu Köln). Es moderierte Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut).
Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms wurde von Prof. Manuel Zahn (Universität zu Köln) und Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut) in Kooperation mit dem NRW-Forum, Düsseldorf durchführt. Gefördert wurde die Reihe vom Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln.

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Michelle Adolfs koordiniert am jfc Medienzentrum in dem Projekt MAiN die Entwicklung und Implementierung eines digitalen Ausstellungs- und Beteiligungstools für die kulturelle Bildung. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Kunst ist sie als Konzepterin, Künstlerin und Diplom-Pädagogin bereits lange Jahre im Bereich Kunst und Internet, Medienproduktion und Bildung unterwegs. Sie wird kreative Methoden und Vermittlungsmethoden rund um den Umgang mit Algorithmen und Big Data vorstellen, die das jfc Medienzentrum seit 2014 entwickelt hat. bigdata.jfc.info

Gastvortrag von Patrick Bettinger am 12.10.2018: Bildung und algorithmisierte Wirklichkeiten – Neue (Un-)Freiheiten digitaler Subjekte

Abstract

Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms präsentiert und diskutieret an drei Abenden im NRW-Forum Düsseldorf jeweils eine künstlerische Arbeit zum Thema Big Data. In der ersten Veranstaltung am 12. Oktober 2018 war der Künstler Florian Mehnert zu Gast, der in den letzten Jahren immer wieder in seinen künstlerischen Arbeiten – u.a. Waldprotokolle (2013), Menschentracks (2014), THE BEAUTY OF PRIVACY (2017) und zuletzt FREIHEIT 2.0 (2016-2018) – die Sichtbarmachung und Kritik von Big Data Phänomenen zum Thema gemacht hat. Er diskutierte seine Arbeit zusammen mit Michelle Adolfs (jfc Medienzentrum e.V., Köln) und Jun.-Prof. Dr. Patrick Bettinger (Universität zu Köln). Es moderierte Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut).
Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms wurde von Prof. Manuel Zahn (Universität zu Köln) und Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut) in Kooperation mit dem NRW-Forum, Düsseldorf durchführt. Gefördert wurde die Reihe vom Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln.

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Dr. Patrick Bettinger ist Juniorprofessor für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung an der Universität zu Köln. Er beschäftigt sich am Department für Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive unter anderem mit qualitativen Methoden und Methodologien der Sozial- und Medienforschung (insbesondere praxis- und diskursanalytischen Ansätzen) sowie Lern- und Bildungsprozessen im Kontext digitaler Medialität. patrick-bettinger.de

Vortrag von Hans Bernhard am 07.07.2018: The Next Documenta Should Be Curated By A Machine

Abstract

This talk covers abstract and very concrete perspectives on machine-curating, machine-learning, artificial intelligence, identity, anthropocentrism and humility. It seems as if machines are unwanted but highly controlled and economically exploited entities. This will not turn out to be to our collective and overall benefit. The neo-liberal curator has become the new artist, transcending into a realm of absurd abstraction. But as all dictatorships are temporary since new challengers are awaiting in the holding areas of high-tech companies, leading archives, tech billionaire collectors and on the fringe of the new art market. Here we can see a tragic clash of identity and individualism versus control and repression unified and fought within our own species. Posthumanism, Transhumanism and Accelerationism are reflections on being human. While the Anthropocene deals with the ecological footprint of humanity on Earth, posthumanism proposes the question of what comes after the species human. Through mirror neurons we connect to ‘others’ and become part of something, we use this essential feature to organize social systems, to not be alone.

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lizvlx (AT, 1973) und Hans Bernhard (CH/USA, 1971). CNN beschrieb sie als „maverick Austrian business people“ und die NYT nannte Google Will Eat Itself „simply brilliant“. Sie besitzen 175 Domains und ihre Haupteinflüsse sind Rammstein, Samantha Fox und XXXTentacion, Olanzapine, LSD, Kentucky Fried Chicken’s Coconut Shrimps Deluxe und der Wiener Aktionismus. ubermorgen.com

Vortrag von Kristin Klein am 03.07.2018: Hyperlinks or it didn’t happen. Kunst und ihre Zirkulation nach dem Internet

Abstract

Der für diesen Vortrag von der Künstlerin Cécile B. Evans geliehene Titel „Hyperlinks or it didn’t happen“ verweist auf veränderte Bedingungen von Kunst nach der Alltäglichwerdung des Internets. Die Zirkulation von Bildern und medialem Content in erhöhter Geschwindigkeit und Dichte und mit mehr Teilnehmer*innen als je zuvor ist ein wesentliches Strukturmoment, das auf Produktion, Dissemination und Rezeption von Kunst Einfluss nimmt. Bedeutung wird nicht nur durch Künstler*innen und Betrachter*innen hergestellt, sondern zerstreut sich in die Netze, zittert hinter Like-Buttons und (re)materialisiert sich in White Cubes und Artist Talks, mit dem Wissen um Verbreitungsmöglichkeiten im Internet. Rekontextualisierungen und Übersetzungsprozesse von physischen in virtuelle Räume und zurück bilden wichtige Rahmungen künstlerischer Arbeiten. Wenn darüber hinaus nun auch Algorithmen mitrechnen und Bilder per Face Tracking zurückblicken, stellen sich für die Kunst einige Fragen neu: Der Fokus verschiebt sich verstärkt von Einzelphänomenen auf Beziehungsgefüge, in denen Kunst hergestellt, referenziert wird, sich manifestiert. Im Vortrag wird an ausgewählten Beispielen gezeigt, welche Strategien Künstler*innen vor dem Hintergrund zirkulierender Contents entwickeln und wie sie die komplexe Gegenwart navigieren.

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Kristin Klein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst & Kunsttheorie der Universität zu Köln, aktuell im Projekt Post-Internet Arts Education Research:. Sie studierte Kulturwissenschaft, Kunstpädagogik, Philosophie, Germanistik und Bildungswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, der TU Dresden und der Boston University.
Forschungsinteressen: Kunst nach dem Internet, Kunstpädagogik im Kontext postdigitaler Kulturen, Zukunftsentwürfe in aktueller Kunst, Schulentwicklung und Bildungstheorie, Speculative Design.
Promotionsprojekt: Navigating the Present, Prototyping the Future. Ansätze für eine Kunstpädagogik nach dem Internet. (Arbeitstitel)

kristin-klein.net

Gastvortrag von Kolja Reichert am 09.06.2018: Künstler, Marke und Werk in der Hyperzirkulation

Abstract

In der frenetischen Öffentlichkeit des Streaming-Zeitalters wird das Kunstobjekt zum Token und zur Kulisse für Inszenierungen von „Kunst“. Seine Aura überträgt sich auf Institutionen und Galerien, also auf alles, wo sich „Kunst“ ereignet. Das wird an Fallbeispielen wie der Schirn Kunsthalle und der König Galerie beschrieben. Während in der beschleunigten 11 Zirkulation die Verhältnisse von Zeichen und Bedeutung weiter brüchig werden, womit sich neue künstlerische Freiheiten auftun, wächst zugleich der Drang zu Verknüpfung, schneller Identifikation und zum Einschreiben in bestehende Formate nach der Logik der Brand. Was ist künftig die Rolle des Kunstobjekts, wenn Posting und Performance die dominanten Formen sind? Wie kann es auf Höhe der Zirkulation wirken und wie kann es, statt bestehende Rahmen zu füllen, deren Brüchigkeit erkunden?

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Kolja Reichert (*1982) ist Kunstredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Vorher arbeitete er als Kunstkritiker und Autor unter anderem für Spike Art Quarterly, frieze d/e, Welt am Sonntag, art und Tagesspiegel.

Gastvortrag von Florian Mehnert am 08.06.2018: Von Waldprotokollen (2013) bis Freiheit 2.0 (2018)

Abstract

Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms präsentiert und diskutieret an drei Abenden im NRW-Forum Düsseldorf jeweils eine künstlerische Arbeit zum Thema Big Data. In der ersten Veranstaltung am 12. Oktober 2018 war der Künstler Florian Mehnert zu Gast, der in den letzten Jahren immer wieder in seinen künstlerischen Arbeiten – u.a. Waldprotokolle (2013), Menschentracks (2014), THE BEAUTY OF PRIVACY (2017) und zuletzt FREIHEIT 2.0 (2016-2018) – die Sichtbarmachung und Kritik von Big Data Phänomenen zum Thema gemacht hat. Er diskutierte seine Arbeit zusammen mit Michelle Adolfs (jfc Medienzentrum e.V., Köln) und Jun.-Prof. Dr. Patrick Bettinger (Universität zu Köln). Es moderierte Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut).
Die Veranstaltungsreihe Art & Algorithms wurde von Prof. Manuel Zahn (Universität zu Köln) und Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut) in Kooperation mit dem NRW-Forum, Düsseldorf durchführt. Gefördert wurde die Reihe vom Grimme-Forschungskolleg an der Universität zu Köln.

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Florian Mehnert begreift als Künstler die „Auseinandersetzung mit der vernetzten Welt, der Digitalisierung unseres Lebens und dem Spannungsverhältnis zu unserer Privatsphäre“ als ein „zentrales Thema der gesellschaftlichen Entwicklung“: „FREIHEIT 2.0 ist eine partizipative Kunstinstallation, … eine initiierte künstlerische Form der offenen Diskursplattform, die die Einflüsse und Veränderungen durch die Digitalisierung auf die Gesellschaft hinterfragt und untersucht.“ Mehr Informationen zu den Arbeiten von Florian Mehnert unter: florianmehnert.de

Gastvortrag von Benjamin Jörissen am 08.06.2018: TOP 3 DIY educational theory hacks THAT REALLY WORK!

Abstract

Die zentrale Frage des Ankündigungstextes dieser Tagung nach „relevanten Gegenstände künstlerischer und pädagogischer Praxen im Kontext einer postdigitalen Gegenwart“ lässt sich um die Frage ergänzen, was eigentlich die relevanten Formen pädagogischer Praxen sein werden. Pädagogik ist ein besonderer Zeichen- und Zeigeprozess (Prange): Man zeigt auf Gegenstände, Zusammenhänge, Haltungen, Normen, Werte, Orientierungsmöglichkeiten, man zeigt dabei zugleich auf sich als Zeigenden und erwartet schließlich ein Zurück-Zeigen als Antwort auf die Intervention. Doch: kein Zeichen ohne Medialität, kein Zeigen ohne Körperlichkeit. Waren schon die medien- und materialitätstheoretischen Defizite im erziehungswissenschaftlichen Denken und Forschen wenig hilfreich, so droht angesichts der digitalen Recodierung von Medialitäten und Materialitäten strukturelle Ahnungslosigkeit. Ahnen aber ist Kerngeschäft einer Disziplin, die sich ausschließlich durch Zukünftigkeit legitimiert. Was man aber nicht fixen kann, das soll man hacken. Der Beitrag präsentiert die besten drei bildungstheoretischen Hacks zum Selbermachen, die wirklich funktionieren.

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Benjamin Jörissen (*1968), Prof. Dr. phil, studierte Erziehungswissenschaft und Philosophie an der Universität zu Köln, Universität Düsseldorf und der Freien Universität Berlin. Er ist Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Arbeitsschwerpunkte: Ästhetische Bildung in der postdigitalen Kultur, Medienbildung, Forschung zur Kulturellen Bildung.

joerissen.name

Gastvortrag von Inke Arns am 07.06.2018: Von alien matter zur Welt ohne Uns

Abstract

Inke Arns spricht über zwei aktuelle, von ihr kuratierte Ausstellungen: Die Welt Ohne Uns (HMKV Dortmund, Ljubljana, Rijeka 2016/17) und alien matter (transmediale Festival, HKW Berlin, 2017). „Alien matter“ ist eine vom Menschen gemachte, ihm aber gleichzeitig radikal fremde, potenziell intelligente Materie. Sie ist das Ergebnis einer zunehmenden Naturalisierung technologischer Artefakte. Die von Technologie durchzogene Umwelt führt zu einer neuen Beziehung zwischen Mensch und Maschine: Die bislang als reine Gebrauchsgegenstände definierten technischen Objekte werden zu autonomen Akteuren. Durch ihre Lernfähigkeit und Vernetzung stellen sie die bislang vorherrschende deutliche Trennung zwischen passiven Objekten und aktiven Subjekten infrage. Die 30 ausstellenden Künstler*innen setzten sich in alien matter mit den Verschiebungen innerhalb dieses Machtgefüges auseinander und beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern unsere vermeintlich vertraute Umgebung zu fremder Materie geworden ist. Die Arbeiten gruppieren sich inhaltlich um vier thematische Schwerpunkte: Künstliche Intelligenz, Plastik, Infrastruktur und Internet der Dinge – Subkategorien der im Entstehen begriffenen großen Maschine, die, folgt man Günther Anders, als zukünftig antiquierte bezeichnet werden können.

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Inke Arns, Dr. phil., Direktorin des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in Dortmund. Seit 1993 freie Kuratorin und Autorin mit den Schwerpunkten Medienkunst und -theorie, Netzkulturen, Osteuropa. Nach einem Aufenthalt in Paris (1982-1986) Studium der Slawistik, Osteuropastudien, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin und Amsterdam (1988-1996), 2004 Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation zum Paradigmenwechsel der Rezeption der historischen Avantgarde und des Utopie-Begriffs in (medien-) künstlerischen Projekten der 1980er und 1990er Jahre in Ex-Jugoslawien und Russland. Sie kuratiert(e) viele Ausstellungen, zuletzt u.a. am Haus der Kulturen der Welt (HKW, Berlin). Autorin zahlreicher Beiträge zur Medienkunst und Netzkultur und Herausgeberin von Ausstellungskatalogen.

inkearns.de